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Beauty

Brüchig, rillig, verfärbt: Was deine Nägel brauchen

Von splitternden Nägeln bis zum Gel-Lack-Verbot für TPO. Wie du Nägel pflegst, was sie dir verraten können und wann ein Arztbesuch sinnvoll ist.

Elena Baumann 28. September 2026 5 Min.

Der Nagel splittert beim Öffnen einer Dose, an der Seite reisst die Nagelhaut ein, und unter dem abgelösten Gel-Lack kommt eine dünne, weissliche Platte zum Vorschein. Nägel bekommen meist erst Aufmerksamkeit, wenn sie Probleme machen. Dabei sind sie erstaunlich robust, wenn man ihnen ein paar Grundlagen gönnt. Und manchmal sind sie mehr als ein Beauty-Thema: Bestimmte Veränderungen lohnt es sich, ärztlich anschauen zu lassen.

Wie Nägel aufgebaut sind

Der sichtbare Nagel, die Nagelplatte, besteht aus mehreren Schichten Keratin, also verhornten Zellen. Er wächst aus der Nagelmatrix, die unter der Haut am Nagelansatz liegt. Das halbmondförmige helle Feld, das bei manchen Nägeln sichtbar ist, ist der vordere Teil dieser Matrix. Die Nagelhaut, auch Kutikula genannt, dichtet den Übergang zwischen Haut und Nagel ab und schützt die Matrix vor Keimen.

Fingernägel wachsen langsam. Bis ein Nagel vollständig nachgewachsen ist, vergehen mehrere Monate, bei Fussnägeln deutlich länger. Deshalb zeigt sich die Wirkung von Pflege oder Behandlung immer erst mit Verzögerung.

Die häufigsten Nagelprobleme

Brüchige und splitternde Nägel

Das ist das häufigste Thema überhaupt. Typisch ist, dass sich die Nagelspitze in Schichten spaltet. Häufige Ursachen:

  • häufiger Kontakt mit Wasser und Putzmitteln, weil der Nagel aufquillt und wieder austrocknet
  • aggressive Nagellackentferner
  • falsches Feilen
  • Kälte und trockene Luft im Winter

Rillen

Feine Längsrillen werden mit dem Alter häufiger und sind meist harmlos. Querrillen dagegen können darauf hinweisen, dass das Nagelwachstum vorübergehend gestört war, etwa durch eine Krankheit, hohes Fieber oder eine Verletzung. Wenn sie ohne erkennbaren Grund auftreten, lohnt sich eine Abklärung.

Weisse Flecken

Kleine weisse Punkte entstehen meist durch kleine Verletzungen der Nagelmatrix, etwa durch Anstossen. Dass sie auf Kalziummangel hindeuten, ist ein verbreiteter Mythos.

Verfärbungen

Gelbliche Nägel können durch dunklen Nagellack ohne Unterlack entstehen. Gelbe, verdickte, bröckelige Nägel, besonders an den Füssen, können aber auch auf einen Nagelpilz hinweisen.

Achtung: Diese Veränderungen gehören zur Ärztin

Manche Nagelveränderungen sollten nicht mit Pflegeprodukten behandelt, sondern ärztlich abgeklärt werden:

  • Ein dunkler Längsstreifen, der neu auftritt, breiter wird oder auf die umgebende Haut übergreift. Er ist zwar oft harmlos, kann aber selten ein Hinweis auf Hautkrebs am Nagel sein.
  • Verdickte, verfärbte, bröckelnde Nägel, die auf eine Pilzinfektion hindeuten.
  • Ein sich ablösender Nagel ohne erkennbaren Grund.
  • Grübchen oder Tüpfel in der Nagelplatte, die zum Beispiel bei Schuppenflechte vorkommen.
  • Starke Rötung, Schwellung und Schmerzen am Nagelwall, also eine mögliche Entzündung.
  • Plötzliche Veränderung vieler Nägel gleichzeitig.

Nägel können manchmal auf allgemeine gesundheitliche Themen hinweisen. Eine Selbstdiagnose ist aber nicht sinnvoll. Lieber einmal zu viel nachfragen.

Gel-Lack und das TPO-Verbot

Seit dem 1. September 2025 ist in der EU und in der Schweiz ein Stoff verboten, der in vielen Gel-Lacken eingesetzt wurde: TPO, ein sogenannter Fotoinitiator, der dafür sorgt, dass der Lack unter UV- oder LED-Licht aushärtet. Der Stoff wurde als fortpflanzungsgefährdend eingestuft und deshalb aus Kosmetik verbannt. Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen BLV hat das Verbot zeitgleich mit der EU umgesetzt. Nagelstudios mussten ihre Bestände entsprechend umstellen.

Was bedeutet das für dich?

  • Seriöse Studios verwenden keine TPO-haltigen Produkte mehr. Du darfst nachfragen.
  • Wenn du Gel-Lack zu Hause verwendest, prüfe alte Produkte. Steht in der Inhaltsstoffliste «Trimethylbenzoyl Diphenylphosphine Oxide», solltest du das Produkt nicht mehr verwenden und gemäss den Vorgaben deiner Gemeinde entsorgen.
  • Gel-Lacke können ausserdem Acrylate enthalten, die bei häufigem Hautkontakt Allergien auslösen können. Eine solche Allergie kann später auch bei anderen Produkten mit Acrylaten Probleme machen, etwa bei Zahnfüllungen. Wichtig ist deshalb, dass der Lack nicht auf die Haut gelangt.

Auch unabhängig vom Verbot gilt: Häufiges Gel-Lackieren und vor allem unsachgemässes Entfernen strapazieren die Nagelplatte. Kratze Gel-Lack nicht ab, sondern lass ihn fachgerecht entfernen. Gönn deinen Nägeln zwischendurch Pausen.

Pflege, die wirklich hilft

Täglich

  • Hände eincremen und dabei die Creme auch in Nägel und Nagelhaut einmassieren.
  • Nagelöl am Abend auf Nagelhaut und Nagel auftragen. Ein einfaches Pflanzenöl tut es auch.
  • Handschuhe beim Putzen und Abwaschen tragen. Das ist wahrscheinlich der wirksamste Tipp überhaupt.

Beim Feilen

  • Glasfeilen oder feine Feilen verwenden.
  • In eine Richtung feilen, nicht hin und her sägen.
  • Die Ecken leicht abrunden, damit der Nagel nicht hängen bleibt.
  • Nägel kurz halten, wenn sie oft brechen.

Bei der Nagelhaut

  • Nicht schneiden, sondern sanft zurückschieben, am besten nach dem Duschen.
  • Eingerissene Hautstücke vorsichtig mit einer sauberen Schere kürzen, nicht abreissen.
  • Regelmässig pflegen, damit sie geschmeidig bleibt.

Beim Lackieren

  • Einen Unterlack verwenden, um Verfärbungen zu verhindern.
  • Nagellackentferner ohne Aceton sind schonender, wenn du häufig wechselst.
  • Zwischen zwei Lackierungen ruhig ein paar Tage Pause einplanen.

Nahrungsergänzungsmittel für Nägel?

Biotin wird oft für brüchige Nägel empfohlen. Die Studienlage ist allerdings begrenzt, und ohne nachgewiesenen Mangel ist der Nutzen unklar. Wichtig zu wissen: Hohe Biotindosen können bestimmte Laborwerte verfälschen. Wenn du Biotin einnimmst und eine Blutuntersuchung ansteht, sag es deiner Ärztin. Wenn du einen Mangel vermutest, ist ein Bluttest sinnvoller als blindes Ergänzen.

Fussnägel nicht vergessen

Fussnägel stecken den grössten Teil des Jahres in Socken und Schuhen und bekommen entsprechend wenig Aufmerksamkeit. Dabei sind sie anfälliger für einige Probleme:

  • Eingewachsene Nägel: Sie entstehen oft durch zu kurzes oder rundes Schneiden und zu enge Schuhe. Fussnägel deshalb gerade schneiden und die Ecken nicht tief abrunden.
  • Nagelpilz: Feuchte Wärme in Schuhen, öffentliche Duschen und Schwimmbäder begünstigen Pilzinfektionen. Badeschlappen tragen, Füsse gut abtrocknen, auch zwischen den Zehen, und Socken regelmässig wechseln.
  • Druckstellen: Zu enge Schuhe können Nägel verfärben oder verdicken.

Bei Diabetes, Durchblutungsstörungen oder wenn du deine Füsse nicht gut erreichst, ist eine medizinische Fusspflege durch eine Podologin sinnvoll. Kleine Verletzungen können bei diesen Erkrankungen schlecht heilen. Ein verfärbter, verdickter Fussnagel ist nicht immer ein Pilz. Eine Abklärung vor der Behandlung spart Zeit, denn Pilzmittel wirken nur bei einer tatsächlichen Pilzinfektion.

Fazit

Gesunde Nägel brauchen vor allem Schutz vor Wasser und Putzmitteln, regelmässiges Eincremen, sanftes Feilen und eine gepflegte Nagelhaut. Gel-Lack ist erlaubt, aber TPO-haltige Produkte gehören nicht mehr auf deine Nägel. Und auffällige Veränderungen wie dunkle Streifen oder verdickte, verfärbte Nägel sind kein Fall für die Nagelfeile, sondern für die Dermatologin.