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Beauty

INCI lesen lernen: So entschlüsselst du die Rückseite deiner Creme

Aqua, Glycerin, Parfum und dann viel Latein. Eine Anleitung, wie du Inhaltsstofflisten liest, was sie verraten und wo ihre Grenzen liegen.

Elena Baumann 11. Mai 2026 5 Min.
Lächelnde Frau betrachtet die Etikette eines kleinen weissen Kosmetikfläschchens, daneben ein grauer Duftdiffusor

Foto: volant auf Unsplash

Auf der Vorderseite stehen Versprechen: «mit Vitamin C», «mit Hyaluron», «mit Bio-Rosenwasser». Auf der Rückseite steht die Wahrheit, allerdings in einer Sprache, die sich nicht auf den ersten Blick erschliesst. Diese Liste heisst INCI, kurz für International Nomenclature of Cosmetic Ingredients. Sie ist dein bestes Werkzeug, um Produkte zu vergleichen, Unverträglichkeiten zu vermeiden und Marketing einzuordnen. Lesen lernen ist einfacher, als es aussieht.

Was INCI ist

INCI ist ein international einheitliches System, mit dem Kosmetikinhaltsstoffe benannt werden. Dadurch heisst ein Stoff auf einer Creme in der Schweiz genauso wie in Frankreich oder Japan. Die Namen orientieren sich teils an lateinischen Pflanzennamen, teils an englischen chemischen Bezeichnungen.

In der Schweiz und der EU müssen Kosmetikprodukte grundsätzlich alle Inhaltsstoffe angeben. Bei sehr kleinen Verpackungen kann die Liste auch auf einem Beipackzettel oder einem Anhänger stehen.

Die wichtigsten Regeln

1. Die Reihenfolge zählt

Inhaltsstoffe werden in absteigender Reihenfolge ihrer Konzentration aufgeführt. Was zuerst steht, ist am meisten enthalten. In den meisten Cremes steht deshalb «Aqua», also Wasser, ganz vorne.

2. Unter einem Prozent ist die Reihenfolge frei

Inhaltsstoffe, die in einer Konzentration von unter einem Prozent enthalten sind, dürfen in beliebiger Reihenfolge am Ende aufgeführt werden. Das heisst: Ab einem bestimmten Punkt sagt die Position nichts mehr über die Menge aus. Wo diese Grenze liegt, ist auf der Packung nicht markiert.

3. Farbstoffe stehen am Ende

Farbstoffe werden mit sogenannten CI-Nummern angegeben, zum Beispiel «CI 77891» für Titandioxid. Bei Make-up mit verschiedenen Farbtönen findest du oft einen Hinweis wie «+/-» oder «may contain», gefolgt von einer Liste möglicher Farbstoffe.

4. Duftstoffe sind zusammengefasst

Parfüm wird meist als «Parfum» oder «Fragrance» angegeben, ohne dass jede einzelne Komponente aufgezählt wird. Bestimmte Duftstoffe, die als Allergene bekannt sind, müssen aber ab einer gewissen Konzentration einzeln angegeben werden. Dazu gehören zum Beispiel Limonene, Linalool, Citral oder Geraniol. Die Liste dieser deklarationspflichtigen Duftstoffe wird in der EU derzeit erweitert.

So liest du eine Liste: Ein Beispiel

Nehmen wir eine fiktive Feuchtigkeitscreme:

Aqua, Glycerin, Caprylic/Capric Triglyceride, Cetearyl Alcohol, Butyrospermum Parkii Butter, Niacinamide, Ceramide NP, Sodium Hyaluronate, Panthenol, Tocopherol, Phenoxyethanol, Xanthan Gum, Citric Acid

Was sagt uns das?

  • Aqua: Wasser ist die Basis.
  • Glycerin: Ein bewährtes Feuchthaltemittel, hier in relativ hoher Menge.
  • Caprylic/Capric Triglyceride: Ein Pflegeöl, gewonnen meist aus Kokos- oder Palmöl.
  • Cetearyl Alcohol: Ein Fettalkohol. Trotz des Namens kein austrocknender Alkohol, sondern ein Konsistenzgeber.
  • Butyrospermum Parkii Butter: Sheabutter.
  • Niacinamide: Vitamin B3, ein Wirkstoff.
  • Ceramide NP, Sodium Hyaluronate, Panthenol, Tocopherol: Barrierelipide, Hyaluronsäure, Provitamin B5 und Vitamin E. Sie stehen nach den Hauptbestandteilen und sind vermutlich in kleineren Mengen enthalten.
  • Phenoxyethanol: Ein Konservierungsmittel.
  • Xanthan Gum: Ein Verdickungsmittel.
  • Citric Acid: Zitronensäure, meist zur Einstellung des pH-Werts.

Kein Parfum in der Liste, also parfümfrei. Eine solide, unspektakuläre Creme.

Nützliche Übersetzungshilfe

Einige Begriffe tauchen immer wieder auf:

INCIWas es ist
AquaWasser
GlycerinFeuchthaltemittel
Sodium HyaluronateSalz der Hyaluronsäure
TocopherolVitamin E
Ascorbic AcidVitamin C
RetinolVitamin-A-Abkömmling
NiacinamideVitamin B3
PanthenolProvitamin B5
Butyrospermum Parkii ButterSheabutter
Simmondsia Chinensis Seed OilJojobaöl
DimethiconeSilikon
Paraffinum LiquidumMineralöl
Alcohol Denat.vergällter Alkohol
ParfumDuftstoffmischung

Was die INCI-Liste nicht verrät

So nützlich die Liste ist, sie hat Grenzen:

  • Genaue Konzentrationen: Du siehst die Reihenfolge, aber nicht, ob ein Wirkstoff mit 0,1 oder 5 Prozent enthalten ist. Manche Marken geben das freiwillig an.
  • Qualität der Rohstoffe: Zwei Produkte mit identischer Liste können sich in der Rohstoffqualität unterscheiden.
  • Formulierung: Wie Inhaltsstoffe kombiniert, stabilisiert und verarbeitet werden, beeinflusst die Wirkung stark.
  • Verträglichkeit für dich: Ob du ein Produkt verträgst, hängt von deiner Haut ab.

Häufige Missverständnisse

«Je kürzer die Liste, desto besser.» Nicht unbedingt. Eine kurze Liste kann sinnvoll sein, wenn du empfindlich reagierst. Eine längere Liste kann aber eine durchdachte Formel mit stabilisierenden und pflegenden Stoffen bedeuten.

«Chemisch klingende Namen sind schlecht.» Auch Wasser und Vitamine haben chemische Namen. Der Klang sagt nichts über die Sicherheit.

«Der Wirkstoff auf der Vorderseite ist der Hauptinhaltsstoff.» Oft steht der beworbene Stoff weit hinten in der Liste. Ein «mit Rosenöl» kann bedeuten, dass nur eine winzige Menge enthalten ist.

«Inhaltsstoff-Apps sagen mir, was gut ist.» Apps können hilfreich sein, um Inhaltsstoffe nachzuschlagen. Ihre Bewertungen basieren aber auf eigenen Kriterien, die nicht immer wissenschaftlich nachvollziehbar sind. Ein rotes Symbol heisst nicht automatisch, dass ein Produkt gefährlich ist.

So nutzt du die Liste im Alltag

  1. Kenne deine Auslöser. Wenn du weisst, dass du auf einen bestimmten Stoff reagierst, etwa nach einem Allergietest in der Dermatologie, kannst du ihn gezielt meiden.
  2. Vergleiche Produkte. Zwei Cremes mit sehr ähnlicher Liste, aber unterschiedlichem Preis? Das ist ein Hinweis.
  3. Prüfe Werbeversprechen. Steht der beworbene Wirkstoff ganz am Ende, ist Skepsis angebracht.
  4. Achte auf Duftstoffe, wenn du empfindliche Haut hast.
  5. Fotografiere die Liste von Produkten, die du gut verträgst. So erkennst du mit der Zeit Muster.

Was sonst noch auf der Verpackung steht

Neben der INCI-Liste finden sich auf Kosmetikverpackungen weitere Angaben, die nützlich sind:

  • Der offene Tiegel mit Zahl: Das Symbol zeigt, wie lange ein Produkt nach dem Öffnen haltbar ist, etwa «6M» für sechs Monate. Notier dir das Öffnungsdatum mit einem wasserfesten Stift auf der Verpackung.
  • Mindesthaltbarkeitsdatum: Ein Symbol mit einer Sanduhr oder die Angabe «mindestens haltbar bis» steht auf Produkten, die weniger als 30 Monate haltbar sind.
  • Chargennummer: Sie ermöglicht es, ein Produkt bei Problemen zurückzuverfolgen. Wenn du auf ein Produkt reagierst, lohnt es sich, die Nummer zu notieren.
  • Verantwortliche Person: Name und Adresse des Unternehmens, das für das Produkt verantwortlich ist. Dort kannst du dich mit Fragen oder Beschwerden melden.
  • Gebrauchshinweise und Warnungen: Etwa «Kontakt mit den Augen vermeiden» oder Hinweise zur Anwendung bei Kindern. Diese Angaben sind nicht dekorativ, sondern oft vorgeschrieben.

Zusammen mit der INCI-Liste ergibt sich so ein recht vollständiges Bild davon, was du kaufst, wie lange du es verwenden kannst und an wen du dich bei Fragen wenden kannst.

Fazit

Die INCI-Liste ist kein Geheimcode, sondern ein Werkzeug. Wer die Grundregeln kennt, also absteigende Reihenfolge, die Ein-Prozent-Grenze und den Umgang mit Duftstoffen, kann Produkte nüchterner beurteilen und Werbeversprechen besser einordnen. Sie sagt dir nicht alles, aber sie sagt dir mehr als jede Vorderseite.