Geld in der Partnerschaft: Das Gespräch, das ihr führen solltet
Gemeinsames Konto, getrennte Kassen, Care-Arbeit und Vorsorge – wie Paare fair über Geld sprechen, bevor es zum Streitthema wird.
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Paare reden über Ferien, über Kinder, über die Schwiegereltern. Über Geld reden viele erst, wenn es knirscht: wenn die eine merkt, dass sie seit Jahren mehr Haushaltskosten trägt, als sie dachte. Wenn nach der Geburt plötzlich klar wird, dass ihr Lohn wegfällt, seiner aber nicht. Oder wenn eine Trennung die Frage aufwirft, wem eigentlich was gehört.
Dabei ist ein offenes Gespräch über Geld einer der grössten Liebesbeweise. Es bedeutet: Ich will, dass es uns beiden gut geht – heute und in dreissig Jahren. Dieser Artikel hilft dir, das Gespräch vorzubereiten und zu führen. Egal, ob du in einer Ehe, einer eingetragenen Partnerschaft oder einem Konkubinat lebst, mit einem Mann oder einer Frau.
Hinweis: Dieser Artikel ersetzt keine Finanz- oder Rechtsberatung. Bei konkreten Fragen zu Güterrecht, Verträgen oder Vorsorge lohnt sich eine unabhängige Fachperson.
Warum das Thema Frauen besonders betrifft
In der Schweiz verdienen Frauen im Durchschnitt weniger als Männer – laut Bundesamt für Statistik lag die Lohndifferenz in der Gesamtwirtschaft 2022 bei 13,8 Prozent. Dazu kommt, dass Frauen häufiger Teilzeit arbeiten, oft wegen Kinderbetreuung oder der Pflege von Angehörigen. Die Folge zeigt sich spätestens bei der Pensionierung: Der Gender Pension Gap liegt bei rund einem Drittel.
Diese Unterschiede entstehen selten durch eine einzige grosse Entscheidung. Sie entstehen durch viele kleine: Wer reduziert nach der Geburt? Wer bleibt zu Hause, wenn das Kind krank ist? Wer zahlt die Möbel, wer die Ferien? Jede für sich wirkt vernünftig. Zusammen ergeben sie über Jahre ein deutliches Ungleichgewicht.
Drei Kontomodelle im Überblick
Es gibt nicht das eine richtige Modell. Wichtig ist, dass ihr euch bewusst für eines entscheidet.
Alles gemeinsam Beide Löhne fliessen auf ein gemeinsames Konto, alle Ausgaben laufen darüber. Das ist einfach und drückt Vertrauen aus. Der Nachteil: Wer weniger verdient, hat oft das Gefühl, sich für persönliche Ausgaben rechtfertigen zu müssen.
Getrennte Kassen Jede behält ihr Geld und zahlt einen Anteil an die gemeinsamen Kosten – oft halbe-halbe. Das wirkt fair, ist es aber nur, wenn beide ähnlich viel verdienen. Bei grossen Lohnunterschieden bleibt der einen Person kaum etwas übrig, während die andere spart.
Das Drei-Konten-Modell Ein gemeinsames Konto für Miete, Lebensmittel, Versicherungen, Kinder. Daneben je ein persönliches Konto. Die Einzahlung auf das gemeinsame Konto erfolgt proportional zum Einkommen – wer 60 Prozent des Haushaltseinkommens verdient, trägt 60 Prozent der gemeinsamen Kosten. So bleibt beiden ein persönlicher Spielraum, der im Verhältnis fair ist.
Für viele Paare ist das dritte Modell ein guter Ausgangspunkt. Passt es irgendwann nicht mehr, etwa nach einer Pensumsreduktion, wird es angepasst.
Care-Arbeit ist Arbeit – auch finanziell
Hier wird das Gespräch heikel, aber wichtig. Wenn eine Person ihr Pensum reduziert, um Kinder zu betreuen, profitiert der ganze Haushalt davon: Die andere Person kann weiter voll arbeiten, Karriere machen, Vorsorge aufbauen. Die Person mit dem tieferen Pensum dagegen verliert Lohn, Pensionskassenguthaben und oft auch berufliche Entwicklungsmöglichkeiten.
Fair ist es, diesen Ausgleich bewusst zu regeln. Möglichkeiten, über die ihr sprechen könnt:
- Säule 3a für die Person mit tieferem Einkommen: Der Haushalt finanziert gemeinsam, dass sie ihre Säule 3a füllt. Wer einer Pensionskasse angeschlossen ist, kann 2026 bis zu 7'258 Franken einzahlen.
- Freiwillige Einkäufe in die Pensionskasse: Je nach Reglement und Situation möglich – Details mit der Pensionskasse klären.
- Ausgleich auf ein persönliches Konto: Ein fixer monatlicher Betrag, der den Einkommensverlust teilweise kompensiert.
- Aufteilung der Betreuung überdenken: Muss es immer dieselbe Person sein, die reduziert? Beide auf 80 Prozent kann langfristig ausgeglichener sein als 100 und 60.
Ehe oder Konkubinat: ein grosser Unterschied
Viele Paare leben heute unverheiratet zusammen, oft mit Kindern. Was dabei häufig unterschätzt wird: Ehe und Konkubinat unterscheiden sich in der Schweiz rechtlich und finanziell erheblich.
In der Ehe regeln Güterrecht und Scheidungsrecht, wie Vermögen und Pensionskassenguthaben bei einer Trennung aufgeteilt werden. Auch bei Todesfall gibt es gesetzliche Ansprüche, etwa im Erbrecht und bei Hinterlassenenleistungen.
Im Konkubinat gibt es viele dieser Schutzmechanismen nicht automatisch. Wer jahrelang Teilzeit gearbeitet hat, um die gemeinsamen Kinder zu betreuen, steht bei einer Trennung möglicherweise ohne Ausgleich der Vorsorge da. Auch im Todesfall ist die Partnerin oder der Partner ohne Vorkehrungen oft schlechter gestellt.
Das heisst nicht, dass ihr heiraten müsst. Aber es heisst, dass unverheiratete Paare aktiv werden sollten, zum Beispiel mit:
- einem Konkubinatsvertrag, der Eigentum und Ausgleich regelt,
- einem Testament,
- der Begünstigung der Partnerin oder des Partners bei Pensionskasse und Säule 3a, sofern das Reglement es erlaubt,
- einer Klärung, wem welche Gegenstände und Ersparnisse gehören.
Und auch Verheiratete profitieren davon, ihre Situation zu kennen: Welcher Güterstand gilt? Wie sähe eine Aufteilung aus? Ein Ehevertrag ist kein Misstrauensvotum, sondern Klarheit.
Ein Leitfaden für euer Geldgespräch
Plant das Gespräch bewusst. Nicht zwischen Tür und Angel, nicht nach einem Streit, nicht am Abend nach einem langen Arbeitstag. Ein ruhiger Sonntagmorgen mit Kaffee eignet sich besser.
Vorbereitung (jede für sich):
- Was verdiene ich netto pro Monat?
- Was gebe ich aus, was spare ich?
- Wie sieht mein Vorsorgeausweis aus?
- Welche Schulden oder Verpflichtungen habe ich?
- Was ist mir bei Geld wichtig – Sicherheit, Freiheit, Grosszügigkeit?
Leitfragen für das Gespräch:
- Wie haben wir in unseren Familien über Geld gesprochen – und was wollen wir anders machen?
- Welche Kosten tragen wir gemeinsam, welche jede für sich?
- Wie teilen wir die gemeinsamen Kosten auf – gleich oder proportional?
- Was passiert, wenn eine von uns das Pensum reduziert?
- Wie sind wir bei Trennung oder Tod abgesichert?
- Was wollen wir gemeinsam erreichen – in fünf, in zwanzig Jahren?
Formulierungen, die helfen:
- «Mir ist wichtig, dass wir beide im Alter gut dastehen. Können wir schauen, wie das bei uns aussieht?»
- «Ich habe gemerkt, dass ich mich unwohl fühle, wenn… Können wir das anders regeln?»
- «Ich möchte nicht, dass meine Teilzeit nur mein Risiko ist.»
Vereinbart, das Gespräch einmal im Jahr zu wiederholen. Lebenssituationen ändern sich, und euer Modell darf sich mitverändern.
Fazit
Über Geld zu reden, ist unromantisch – bis man merkt, wie viel Ruhe es bringt. Ein klares, faires Finanzmodell schützt nicht nur dein Portemonnaie, sondern auch eure Beziehung vor stillen Vorwürfen. Gerade für Frauen, die häufiger reduzieren und Care-Arbeit übernehmen, ist dieses Gespräch kein Luxus, sondern Selbstschutz. Fang klein an: mit einem Kaffee, einem Notizblock und der Frage, wie es euch beiden in dreissig Jahren gehen soll.