Karriere

Weiterbildung, die neben dem Leben Platz hat

Ein CAS klingt nach einem anderen Leben. Wie du mit einem kleinen Kurs, einem Gespräch im Betrieb und zwei Terminen im Kalender trotzdem lernst.

Lea Hoffmann 16. Oktober 2026 6 Min.
Frau mit Brille und weinrotem Cardigan sitzt mit einer Teetasse am Laptop in einem hellen Arbeitszimmer

Foto: Paige Cody auf Unsplash

Die Broschüre für den CAS liegt seit September unter der Einkaufsliste. Sechs Monate, zwei Abende die Woche, eine Zahl auf der letzten Seite, die du noch nicht laut gesagt hast. An einem Mittwoch öffnest du den Tab, rechnest den Feierabend gegen die Kita und schliesst ihn wieder. Nicht, weil du das Thema nicht willst. Weil das Format so tut, als hättest du ein zweites, leeres Leben daneben.

Weiterbildung muss nicht mit dem grössten Abschluss beginnen. Sie muss in den Kalender passen, den du wirklich hast.

Klein anfangen ist ein Test, kein Ausweichen

Ein Zertifikatslehrgang kann genau das Richtige sein, wenn du das Thema schon kennst und die Abende frei sind. Wenn du nur ein Ziehen spürst, «ich möchte da sicherer werden», ist ein kleinerer Rahmen oft der ehrlichere Start.

Zum Beispiel:

  • vier Abende an einer Klubschule oder einer Schule für Erwachsenenbildung
  • ein Modul an einer Fachhochschule, bevor du den ganzen CAS buchst
  • ein Buch plus eine feste Stunde, in der du wirklich liest, nicht nur sammelst
  • ein internes Angebot deiner Arbeitgeberin, das niemand aus deinem Team bisher genutzt hat

Der Vorteil: Nach drei Wochen weisst du, ob das Interesse hält, wenn es konkret wird. Ein Kurs, den du in Woche vier noch magst, ist eine bessere Grundlage für den grossen Lehrgang als ein Tab, den du aus schlechtem Gewissen offen lässt.

Wo du in der Schweiz suchen kannst

Du musst nicht bei null recherchieren. Anlaufstellen, die es in den meisten Regionen gibt:

  • Erwachsenenbildung wie die Klubschule Migros oder, in Zürich, die EB Zürich. Gut für Sprachen, Digitales, handfeste Abendkurse.
  • Fachhochschulen mit CAS und MAS, wenn du einen Abschluss und Anschluss an deinen Beruf suchst. Die Daten stehen früh, die Plätze manchmal auch.
  • Der eigene Betrieb: Schulungen, die auf der internen Seite verstauben, oder die Erlaubnis, eine externe Weiterbildung in der Arbeitszeit zu machen.
  • Ein Kurs mit festen Terminen statt eines reinen Online-Programms, das du «irgendwann» schaust. Feste Abende überleben den Alltag besser als gute Vorsätze.

Lies bei der Beschreibung eine Ebene genauer als das Titelblatt. Wie viele Stunden sind Präsenz, wie viele Aufgaben dazwischen, was passiert, wenn du einen Abend verpasst? Ein Kurs, der bei einem kranken Kind sofort scheitert, ist für dieses Jahr der falsche.

Das Gespräch im Betrieb, bevor du privat zahlst

In vielen Personalreglementen steht ein Weiterbildungsbudget oder zumindest die Möglichkeit, Kurskosten zu teilen. Genutzt wird das seltener, als es dasteht. Nicht, weil niemand lernen will, sondern weil niemand konkret fragt.

Ein brauchbares Gespräch dauert zehn Minuten und hat drei Punkte:

  1. Der Kurs. Name, Daten, Kosten, ob er abends oder in der Arbeitszeit liegt.
  2. Der Bezug zu deiner Stelle. Was du danach anders machst. Ein Satz reicht: «Damit kann ich die Auswertungen selbst bauen, die wir heute einkaufen.»
  3. Die Bitte. Kosten, Zeit oder beides. Und bis wann du eine Antwort brauchst, weil die Anmeldung ein Datum hat.

«Ich möchte mich weiterentwickeln» ist ein netter Anfang und eine schwache Bitte. Die konkrete Bitte kann jemand bewilligen oder ablehnen. Beides ist klarer als ein Nicken.

Wenn der Betrieb nein sagt, kannst du immer noch selbst buchen. Dann weisst du wenigstens, dass du gefragt hast.

Zwei Termine, die heissen wie eine Sitzung

Lernen scheitert selten am Willen und oft daran, dass es keinen Ort im Tag hat. Trag dir zweimal vierzig Minuten ein, mit einem Namen, den du nicht höflich überziehst: «Kursvorbereitung», nicht «falls ich dazu komme».

Die Stunde vor dem Posteingang hält bei vielen besser als «wenn die Kinder schlafen». Diese Zeit ist in vielen Haushalten schon vergeben, für Ruhe, für die Partnerschaft oder für gar nichts, und das ist auch ein Bedarf.

Eine realistische Woche kann so aussehen: Dienstag 7.20 bis 8.00 Uhr lesen. Donnerstag der Abendkurs. Am Wochenende nichts, ausser du willst. Wer jede freie Lücke füllt, kündigt innerlich nach einem Monat.

Kosten und Steuern, ohne Versprechen

Was der Arbeitgeber nicht übernimmt und was mit deiner aktuellen Tätigkeit zu tun hat, kannst du in der Steuererklärung oft als Weiterbildungskosten geltend machen. Die Regeln hängen von deiner Situation und deinem Kanton ab. Ein Hobbykurs im Aquarell ist etwas anderes als ein Lehrgang, der zu deiner Stelle gehört. Wenn die Summe gross ist, lohnt sich ein kurzer Check bei der Steuerberatung oder direkt bei der kantonalen Stelle, bevor du dich auf einen Abzug verlässt.

Der CAS darf auf der Liste bleiben. Er muss nur nicht der erste Schritt sein. Der erste Schritt ist ein Abend, der im Kalender steht, und ein Kurs, der klein genug ist, dass du ihn auch in einer vollen Novemberwoche noch besuchst.