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Karriere

Zurück nach der Babypause: So gelingt der Wiedereinstieg

Vom Rückkehrgespräch über das richtige Pensum bis zu den ersten 100 Tagen – ein realistischer Plan für den Wiedereinstieg nach dem Mutterschaftsurlaub.

Lea Hoffmann 07. April 2026 5 Min.

Der erste Arbeitstag nach dem Mutterschaftsurlaub beginnt selten im Büro. Er beginnt um 6 Uhr mit einem Kind, das in der Nacht dreimal wach war, einer Kita-Tasche, die noch gepackt werden muss, und der leisen Frage: Weiss ich überhaupt noch, wie mein Job geht?

Ja, du weisst es noch. Aber vieles hat sich verschoben – deine Prioritäten, deine Zeit, vielleicht auch das Team. Ein guter Wiedereinstieg passiert nicht einfach. Er wird vorbereitet. Hier ist ein Plan in vier Phasen.

Phase 1: Das Gespräch vor der Rückkehr

Idealerweise führst du schon vor der Geburt ein erstes Gespräch über deine Rückkehr. Spätestens aber vier bis sechs Wochen vor dem geplanten Start solltest du dich mit deiner Vorgesetzten zusammensetzen. Warte nicht, bis sie dich anruft.

Wichtig zu wissen: In der Schweiz hast du keinen gesetzlichen Anspruch darauf, nach dem Mutterschaftsurlaub mit reduziertem Pensum zurückzukehren. Dein Arbeitsvertrag gilt weiter wie bisher. Jede Änderung – Pensum, Arbeitstage, Homeoffice – ist Verhandlungssache. Deshalb ist dieses Gespräch so zentral.

Was du klären solltest:

  • Startdatum und ob ein gestaffelter Einstieg möglich ist.
  • Pensum und Arbeitstage. Welche Tage sind fix, welche flexibel?
  • Aufgaben. Kommst du zurück in deine alte Rolle? Was ist in der Zwischenzeit passiert, was wurde neu verteilt?
  • Erreichbarkeit. Was wird an deinen freien Tagen von dir erwartet – und was nicht?
  • Stillen. Wenn du weiter stillst, brauchst du Zeit und einen geeigneten Raum. Stillzeiten sind im Arbeitsgesetz geregelt; frag HR, wie das bei euch umgesetzt wird.

Ein möglicher Einstieg ins Gespräch:

«Ich freue mich darauf, am 1. Juni zurückzukommen. Damit der Start für beide Seiten gut funktioniert, möchte ich mit dir heute Pensum, Aufgaben und Erreichbarkeit klären. Ich habe einen Vorschlag mitgebracht.»

Bring tatsächlich einen Vorschlag mit. Wer eine durchdachte Lösung präsentiert, verhandelt aus einer anderen Position als jemand, der fragt: «Was wäre denn möglich?»

Phase 2: Das richtige Pensum finden

Die Pensumsfrage ist emotional aufgeladen. Viele Frauen reduzieren nach dem ersten Kind stark und merken erst Jahre später, was das kostet: Karriereschritte, Lohnentwicklung und vor allem Vorsorge. Weniger Lohn heisst weniger AHV-Beiträge und, wegen des Koordinationsabzugs, oft überproportional weniger in der Pensionskasse.

Das heisst nicht, dass du Vollzeit arbeiten musst. Aber die Entscheidung sollte bewusst fallen – und idealerweise als Paar. Stellt euch diese Fragen:

  • Wie viel Betreuung brauchen wir pro Woche, und wer übernimmt welchen Teil?
  • Reduziert nur eine Person, oder reduzieren beide ein wenig?
  • Was kostet die Kita im Verhältnis zum zusätzlichen Einkommen – und was kostet es langfristig, wenn eine Person dauerhaft wenig arbeitet?
  • Wie sichern wir die Vorsorge der Person ab, die weniger verdient?

Ein Pensum von 60 Prozent kann in einer Rolle gut funktionieren und in einer anderen zu ständigem Überlaufen führen. Sei ehrlich: Lässt sich deine Stelle wirklich auf drei Tage verdichten, oder machst du dann eine 80-Prozent-Arbeit zum 60-Prozent-Lohn?

Phase 3: Kinderbetreuung organisieren, bevor du sie brauchst

Kita-Plätze sind in vielen Gemeinden knapp. Melde dich früh an, oft schon während der Schwangerschaft. Erkundige dich auch nach Subventionen deiner Wohngemeinde; Tarife hängen häufig vom Einkommen ab.

Und dann: Plane die Eingewöhnung ein. Sie dauert je nach Kind und Kita mehrere Tage bis einige Wochen und verlangt deine Anwesenheit. Wenn die Eingewöhnung erst in deiner ersten Arbeitswoche beginnt, startest du unter Druck.

Ein Back-up-Plan ist kein Luxus, sondern Pflicht. Kinder in der Kita werden in den ersten Monaten oft krank. Kläre vorab:

  • Wer springt ein, wenn das Kind Fieber hat? Partner, Grosseltern, eine Nachbarin, ein Notfall-Betreuungsdienst?
  • Wie regelt dein Arbeitgeber Absenzen wegen kranker Kinder? Das Arbeitsgesetz sieht für die Betreuung kranker Kinder eine Freistellung vor; die Details solltest du bei HR erfragen.
  • Teilt ihr als Eltern die Krankheitstage fair auf, oder fällt automatisch alles auf dich?

Phase 4: Die ersten 100 Tage

Die ersten Wochen nach der Rückkehr sind eine eigene Phase. Behandle sie wie einen Neustart, nicht wie eine nahtlose Fortsetzung.

Woche 1 bis 2: Ankommen

  • Kaffee oder Mittagessen mit den wichtigsten Kolleginnen und Kollegen: Was ist passiert, wer macht jetzt was?
  • Lies dich in die Entscheidungen der letzten Monate ein, ohne alles nachholen zu wollen.
  • Kläre mit deiner Vorgesetzten die Prioritäten für die nächsten drei Monate.

Woche 3 bis 8: Sichtbar werden

  • Übernimm ein überschaubares Projekt, bei dem du schnell ein Ergebnis zeigen kannst.
  • Sag in Meetings etwas. Es ist verlockend, sich zurückzuhalten, bis man wieder «ganz drin» ist. Aber Präsenz entsteht durch Beiträge, nicht durch Stunden.
  • Kommuniziere deine Arbeitstage klar, etwa in deiner E-Mail-Signatur und im Kalender.

Woche 9 bis 14: Bilanz ziehen

  • Funktioniert das Pensum? Funktioniert die Betreuung? Funktioniert ihr als Paar?
  • Vereinbare ein Gespräch mit deiner Vorgesetzten: Was läuft gut, was muss angepasst werden?
  • Sprich auch über Entwicklung. Eine Rückkehr in Teilzeit heisst nicht, dass Weiterbildung, Projekte oder Beförderung kein Thema mehr sind.

Was dir niemand sagt

Ein paar ehrliche Dinge, die viele Frauen erst im Nachhinein verstehen:

  • Das schlechte Gewissen kommt sowieso. Am Arbeitsplatz, weil du früher gehst. Zuhause, weil du nicht da warst. Es ist kein Zeichen dafür, dass du etwas falsch machst.
  • Die mentale Last zählt auch. Wer an Impftermine, Kita-Wäsche und Geschenke für Kindergeburtstage denkt, arbeitet – auch wenn es nicht auf der Lohnabrechnung steht. Sprecht darüber als Paar.
  • Du bist nicht mehr dieselbe Mitarbeiterin. Viele Frauen werden nach der Rückkehr fokussierter, priorisieren schneller und sagen leichter Nein. Das ist eine Stärke.
  • Es darf eine Weile holpern. Die meisten Familien brauchen mehrere Monate, bis sich ein neuer Alltag eingespielt hat.

Checkliste für den Wiedereinstieg

  • Rückkehrgespräch vereinbart und Vorschlag vorbereitet
  • Pensum, Arbeitstage und Erreichbarkeit schriftlich festgehalten
  • Vorsorgefolgen eines tieferen Pensums angeschaut
  • Kita-Platz oder andere Betreuung gesichert
  • Eingewöhnung vor dem ersten Arbeitstag eingeplant
  • Back-up-Lösung für kranke Kinder organisiert
  • Stillzeiten und Raum mit HR geklärt
  • Bilanzgespräch nach rund drei Monaten im Kalender

Fazit

Der Wiedereinstieg nach der Babypause ist kein Termin, sondern ein Prozess. Er gelingt am besten, wenn du ihn aktiv gestaltest: mit einem eigenen Vorschlag für das Rückkehrgespräch, einer bewussten Entscheidung zum Pensum, einer Betreuungslösung mit Back-up und einem Plan für die ersten Monate. Perfekt wird es trotzdem nicht. Aber es wird deins – und nicht einfach das, was übrig bleibt, wenn alle anderen entschieden haben.