Herbst/Winter 2026: Welche Trends sich wirklich lohnen
Volumen, Wildleder, starke Schultern und 90er-Outdoor – ein kritischer Blick darauf, was in deine Garderobe passt und was du getrost überspringen kannst.
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Jeden September das gleiche Ritual: Die Trendberichte kommen, die Schaufenster werden umgehängt, und irgendwo zwischen Bouclé-Jacke und Wildlederstiefel fragt man sich, ob man das alles wirklich braucht. Die kurze Antwort: nein. Die längere: Ein paar der Trends für Herbst und Winter 2026 passen erstaunlich gut zu einer Garderobe, die auf lange Sicht funktioniert. Andere sind hübsch anzusehen und nach einer Saison wieder vorbei.
Ich bin die wichtigsten Strömungen durchgegangen, die in den Kollektionen und Trendberichten immer wieder auftauchen, und habe mir bei jedem drei Fragen gestellt: Passt das in eine Capsule Wardrobe? Bekommst du es secondhand? Und wann lässt du es lieber bleiben?
Volumen und Textur: Strick, den man anfassen will
Der sichtbarste Trend der Saison ist haptisch. Flauschiger Strick, gebürstete Oberflächen, Bouclé, Loopgarn, Stoffe mit einer fast pelzigen Oberfläche. Kleidung soll nicht nur gut aussehen, sie soll sich gemütlich anfühlen.
Lohnt sich das? Ja, mit einer Einschränkung. Ein voluminöser Pullover aus Wolle oder Mohair ist ein Teil, das du jahrelang trägst, gerade in einem Schweizer Winter. Die Frage ist das Material: Viele günstige Varianten des Trends sind aus Polyacryl, das schnell pillt und nach einer Saison müde aussieht. Wenn du einen strukturierten Pullover kaufst, dann einen mit hohem Naturfaseranteil.
Secondhand? Sehr gut. Grobstrick aus Wolle war schon in den 80er- und 90er-Jahren beliebt. In Brockenhäusern und Secondhand-Läden findest du oft schwere Pullover, die heute wieder genau richtig wirken.
Lieber bleiben lassen: Teile, bei denen die Textur nur Effekt ist, etwa Fransen oder abstehende Fäden, die nach dem dritten Tragen nicht mehr in Form sind.
Power Dressing: Schultern, Taille, Bleistiftrock
Blazer mit betonten Schultern, taillierte Mäntel, schmale Bleistiftröcke, Anzüge. Nach Jahren der sehr weiten, entspannten Silhouetten kommt wieder mehr Struktur in die Garderobe. Dazu passt, was einige Trendbeobachter als klare Linien und maskuline Einflüsse beschreiben: reduzierte Schnitte, wenig Dekoration, Anleihen bei der Herrenmode.
Lohnt sich das? Der gut geschnittene Blazer: absolut. Er ist eines der vielseitigsten Teile überhaupt, zu Jeans genauso wie zur Stoffhose. Wie stark die Schulter betont ist, kannst du selbst entscheiden. Eine leicht strukturierte Schulter altert besser als eine sehr breite, die nach einer Saison wie ein Kostüm wirkt.
Der Bleistiftrock ist eine persönlichere Frage. Er braucht einen Alltag, in dem du nicht dauernd aufs Velo steigst oder Kinder vom Boden hochhebst. Wenn das zu dir passt, ist er ein schöner Klassiker. Wenn nicht, ist eine weite Stoffhose mit Bügelfalte die alltagstauglichere Variante desselben Gedankens.
Secondhand? Hervorragend, vor allem in der Herrenabteilung. Ältere Herrenblazer haben oft solide Verarbeitung. Achte darauf, dass die Schulter zu dir passt, Ärmel und Taille lassen sich ändern.
Wildleder: Schön, aber pflegebedürftig
Suede ist eines der grossen Materialthemen dieses Herbstes: Jacken, Mäntel, Röcke, Taschen, Stiefel. Wildleder hat eine warme, weiche Ausstrahlung, und in Brauntönen passt es fast zu allem.
Lohnt sich das? Ehrlich gesagt nur, wenn du bereit bist, es zu pflegen. Wildleder mag keinen Regen und keinen Schnee, und davon gibt es in der Schweiz im Herbst und Winter reichlich. Ein Wildlederrock oder eine Tasche sind unproblematischer als Stiefel, die durch Matsch und Salz müssen.
Wenn du Wildlederschuhe willst: Imprägniere sie vor dem ersten Tragen, lass sie nach nassen Tagen langsam bei Zimmertemperatur trocknen und bürste sie regelmässig auf. Und hab ein zweites Paar für Regentage.
Secondhand? Ja. Gerade Wildlederjacken aus den 70ern und 90ern tauchen immer wieder auf. Prüf die Stellen an Kragen und Ärmelbündchen, wo sich Fett und Schmutz sammeln. Glänzende, abgegriffene Stellen lassen sich nur begrenzt aufrauen.
Stiefel über der Hose
Ein kleiner, aber auffälliger Styling-Trend: Weiche, leicht knautschige Stiefel werden über weiten Hosen getragen statt darunter. Die Hose wird dabei in den Schaft gesteckt und bauscht sich oben.
Lohnt sich das? Als Styling-Idee schon, denn du brauchst nichts Neues dafür, wenn du bereits weite Hosen und Stiefel mit nicht zu engem Schaft besitzt. Probier es einfach aus. Es hat übrigens einen praktischen Nebeneffekt: Der Hosensaum bleibt bei Regen trocken.
Lieber bleiben lassen: Neue Stiefel nur für diesen Look zu kaufen. Slouchy Boots sind in ihrer extremen Form ziemlich trendgebunden. Ein klassischer Stiefel mit etwas Weite im Schaft funktioniert über und unter der Hose.
Satin und Slipdress: Sommer in den Herbst holen
Das Slipdress aus Satin, im Sommer allein getragen, wandert in den Herbst, und zwar über einem eng anliegenden Langarmshirt oder einem feinen Rollkragen. Darüber ein Mantel oder eine grobe Strickjacke.
Lohnt sich das? Wenn du ein Slipdress schon besitzt: unbedingt. Das ist genau die Art Trend, die eine bestehende Garderobe verlängert, statt neue Käufe zu verlangen. Ein Kleid, das du sonst nur drei Monate im Jahr trägst, wird so zum Ganzjahresteil.
Secondhand? Gut möglich. Achte bei Satin aus Polyester darauf, dass die Oberfläche keine Zieher hat. Echte Seide ist schöner, aber empfindlicher.
90er-Outdoor: Fleece, Windjacken, technische Stoffe
Der Look der 90er-Jahre-Outdoorbekleidung bleibt in den Kollektionen präsent: Windjacken, Fleece, Anoraks, kräftige Farbblöcke, Schnüre und Kordelzüge.
Lohnt sich das? Hier bin ich zwiegespalten. Funktionsjacken sind in der Schweiz sinnvoll, und eine gute Regenjacke gehört in jeden Schrank. Aber wer eine Fleecejacke nur wegen des Retro-Looks kauft, kauft oft ein synthetisches Teil, das beim Waschen Fasern verliert und modisch schnell wieder verschwindet.
Secondhand? Absolut, hier ist Secondhand sogar die beste Wahl. Originale aus den 90ern sind in Brockenhäusern und auf Online-Plattformen oft günstig zu haben, und dein Estrich oder der deiner Eltern ist vielleicht die erste Adresse.
So entscheidest du für dich
Bevor du etwas aus einer Trendliste kaufst, frag dich:
- Habe ich schon etwas, das diesen Trend ähnlich umsetzt?
- Kann ich das Teil mit mindestens drei Dingen aus meinem Schrank kombinieren?
- Würde ich es auch tragen, wenn es nächstes Jahr niemand mehr erwähnt?
- Ist das Material so, dass es mehrere Winter übersteht?
Wenn du zweimal Nein sagst, lass es hängen.
Fazit
Die Herbsttrends 2026 sind freundlicher als manch andere Saison: Viel Textur, gute Materialien, Struktur statt Gag. Der strukturierte Blazer, ein schwerer Wollpullover und das Slipdress über dem Rollkragen sind Ideen, die lange halten. Wildleder ist schön, braucht aber Pflege und passt nicht zu jedem Wetter. Und der 90er-Outdoor-Look ist ein Fall für den Secondhand-Laden, nicht für den Neukauf. Der beste Trend bleibt, das, was du hast, neu zu kombinieren.