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Mode

Kleider online weiterverkaufen: So klappt es

Gute Fotos, ehrliche Beschreibungen, realistische Preise und sichere Übergaben – ein praktischer Leitfaden für den Verkauf deiner Kleider.

Nora Keller 02. Juli 2026 5 Min.
Weisser Strickpullover liegt ordentlich auf hellen Holzdielen neben einem Olivenzweig, fotografiert von oben

Foto: Shelter auf Unsplash

Auf meinem Bett liegt ein Stapel: ein Kleid, das ich zweimal getragen habe, eine Jeans, die nie richtig sass, ein Wollmantel, der mir eine Grösse zu klein geworden ist. Alles in gutem Zustand, alles zu schade für den Sammelcontainer. Und doch liegt der Stapel seit drei Wochen da, weil das Verkaufen nach Arbeit aussieht.

Ist es auch ein bisschen. Aber mit ein paar Routinen wird es überschaubar, und das Gefühl, dass ein gutes Teil bei jemandem landet, der es wirklich trägt, ist den Aufwand meist wert. Hier ist mein Vorgehen, Schritt für Schritt.

Schritt 1: Aussortieren mit Blick auf den Markt

Nicht alles, was du loswerden willst, lässt sich auch verkaufen. Bevor du fotografierst, sortiere in drei Stapel:

  • Verkaufen: Gut erhaltene Teile, die jemand anderes gerne tragen würde. Mäntel, Strick aus Naturfasern, Lederschuhe, Taschen, gut erhaltene Jeans, besondere Stücke.
  • Spenden: Saubere, tragbare Kleidung, die sich kaum lohnt einzeln zu verkaufen, zum Beispiel einfache T-Shirts oder Basics von günstigen Marken.
  • Textilsammlung oder Reste: Kaputtes, Verfärbtes, stark Abgenutztes. Das gehört nicht auf eine Verkaufsplattform.

Eine ehrliche Faustregel: Wenn du selbst das Teil gebraucht nicht kaufen würdest, wird es auch kaum jemand anderes tun.

Schritt 2: Vorbereiten

Ein Kleidungsstück, das frisch gewaschen, gelüftet und von Fusseln befreit ist, verkauft sich deutlich leichter. Das dauert pro Teil nur ein paar Minuten:

  1. Waschen oder auslüften, je nach Material.
  2. Fusseln und Knötchen entfernen, bei Strick mit einem Fusselrasierer oder einem Wollkamm.
  3. Lose Knöpfe annähen, kleine Nähte schliessen.
  4. Glätten: dampfen oder kurz bügeln.
  5. Taschen leeren. Du wirst dich wundern, was da noch drin ist.

Schritt 3: Fotos, die wirklich etwas zeigen

Die Fotos entscheiden, ob jemand dein Inserat anklickt. Du brauchst keine Profi-Ausrüstung, nur Tageslicht und etwas Geduld.

So gehst du vor:

  • Tageslicht nutzen. Am besten neben einem grossen Fenster, ohne direkte Sonne. Kunstlicht verfälscht die Farben, und Farbfragen sind einer der häufigsten Gründe für Rückfragen und Enttäuschungen.
  • Ruhiger Hintergrund. Eine helle Wand, ein Holzboden, eine schlichte Tür. Kein Bett mit gemusterter Decke, kein Wäscheberg im Hintergrund.
  • Ganzes Teil zuerst. Hänge es auf einen schönen Bügel oder lege es flach hin. Das erste Bild zeigt das ganze Kleidungsstück, gerade und vollständig.
  • Details danach. Material und Struktur aus der Nähe, Etikett mit Grösse und Materialangabe, Knöpfe, Futter, Rückseite.
  • Mängel fotografieren. Ja, wirklich. Ein kleiner Fleck, ein Zieher, ein abgetragener Saum: lieber zeigen als verschweigen.
  • Getragen, wenn du magst. Ein Bild am Körper zeigt den Fall des Stoffes. Das Gesicht muss nicht drauf sein.

Schritt 4: Beschreibung mit Massen

Die meisten Missverständnisse entstehen, weil die Grösse auf dem Etikett nichts darüber aussagt, wie ein Teil wirklich sitzt. Gib deshalb immer Masse an. Leg das Teil flach hin und miss:

  • Oberteile und Kleider: Breite unter den Armen (Achsel zu Achsel), Gesamtlänge, Ärmellänge, bei Blazern auch die Schulterbreite.
  • Hosen und Röcke: Bundweite flach gemessen, Hüftweite, Innenbeinlänge, Leibhöhe (vom Schritt bis zum Bund).
  • Schuhe: Innenlänge, falls möglich, und ob sie eher klein oder gross ausfallen.

Dazu kommen:

  • Material laut Etikett
  • Zustand in klaren Worten: neu mit Etikett, wie neu, gut, getragen mit Gebrauchsspuren
  • Konkrete Mängel
  • Wie es dir gepasst hat, zum Beispiel: «Fällt eher weit aus, ich trage normalerweise M und hatte es oversized getragen.»

Ehrlichkeit ist hier keine Tugend, sondern Effizienz. Je präziser du beschreibst, desto weniger Rückfragen, Rücksendungen und Ärger.

Schritt 5: Preise realistisch setzen

Das ist für viele der schwierigste Teil. Du erinnerst dich daran, was du bezahlt hast. Die Käuferin interessiert das nur am Rande.

So findest du einen fairen Preis:

  • Such auf Kleinanzeigen- und Secondhand-Plattformen nach vergleichbaren Teilen und schau, was dort tatsächlich angeboten wird. Noch besser: Achte darauf, welche Inserate lange online bleiben, das sind oft die zu teuren.
  • Rechne damit, dass gebrauchte Kleidung meist deutlich unter dem Neupreis gehandelt wird. Klassische, hochwertige Teile halten ihren Wert besser als Trendstücke.
  • Lass etwas Spielraum für Verhandlungen, wenn die Plattform das üblich macht.
  • Senke den Preis nach ein bis zwei Wochen, wenn sich niemand meldet.

Und manchmal ist der richtige Preis einfach: tief genug, dass das Teil schnell weg ist. Wenn dir ein Stück keine Freude mehr macht, ist sein Platz im Kleiderschrank teurer als der Unterschied von zehn Franken.

Schritt 6: Versand und Übergabe

Versand

Für den Versand innerhalb der Schweiz kannst du Kleidung meist als Brief oder Paket verschicken, je nach Grösse und Gewicht. Erkundige dich vor dem Inserieren, was der Versand ungefähr kostet, und gib es transparent an. Kleidung in eine saubere Tüte oder ein Seidenpapier legen, dann in den Umschlag oder Karton: So kommt sie auch bei Regen trocken an. Eine Sendungsverfolgung lohnt sich bei teureren Teilen.

Persönliche Übergabe

Abholung hat den Vorteil, dass die Käuferin das Teil anfassen und manchmal anprobieren kann. Ein paar Grundregeln:

  • Triff dich an einem öffentlichen Ort, zum Beispiel in einem Bahnhof oder Café, statt deine Wohnadresse herauszugeben.
  • Lass dich bar oder per sofortiger mobiler Zahlung bezahlen und prüfe den Eingang, bevor du das Teil übergibst.
  • Sei skeptisch bei ungewöhnlichen Zahlungsvorschlägen, Links zu angeblichen Zahlungsseiten oder Drängen auf Eile. Viele Betrugsversuche laufen genau so ab.
  • Kommuniziere über die Plattform, solange es geht, damit der Verlauf dokumentiert ist.

Wann Spenden die bessere Wahl ist

Online verkaufen kostet Zeit: Fotos, Texte, Nachrichten, Versand. Für ein T-Shirt, das am Ende fünf Franken einbringt, lohnt sich das oft nicht. Dann ist es sinnvoller, die Sachen sauber und gut sortiert einem Brockenhaus, einer Kleiderbörse oder einer gemeinnützigen Organisation zu bringen, die sie annimmt. Frag vorher nach, was gebraucht wird. Gerade saisonale Kleidung wie Wintermäntel ist an vielen Orten im Herbst willkommen.

Auch eine Kleidertauschbörse unter Freundinnen kann eine gute Lösung sein, und sie macht mehr Spass als zwanzig Chatnachrichten über einen Preisnachlass von drei Franken.

Fazit

Kleider online zu verkaufen ist kein schnelles Geld, aber eine gute Möglichkeit, Teilen ein zweites Leben zu geben. Entscheidend sind ehrliche Fotos bei Tageslicht, genaue Masse und realistische Preise. Sortiere vorher konsequent, damit du deine Energie in die Teile steckst, die sich lohnen. Und wenn der Stapel trotzdem drei Wochen liegen bleibt: Nimm dir einen Sonntagmorgen, fotografiere alles auf einmal und schreibe die Inserate am Abend. Meistens ist der Anfang das Schwierigste.