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Mode

Schuhe, in denen du wirklich gehen kannst

Rutschige Trottoirs, Salz und Splitt, volle Trams – wie du Winterschuhe findest, die gut aussehen und dich trotzdem sicher tragen.

Nora Keller 27. Januar 2026 5 Min.

Es war ein Dienstagmorgen im Januar, die Strasse vor meiner Haustür über Nacht gefroren, und ich trug die eleganten Stiefeletten mit der glatten Ledersohle. Bis zur Tramhaltestelle sind es dreihundert Meter. Ich habe für diese Strecke ungefähr so lange gebraucht wie sonst bis zum Bahnhof, mit kleinen Trippelschritten und einer Hand an jeder Hauswand. Am Abend habe ich die Stiefeletten zum Schuhmacher gebracht und mir eine Gummisohle aufziehen lassen. Seither stelle ich mir bei jedem Schuh eine einfache Frage: Kann ich darin zur Haltestelle rennen?

Winterschuhe müssen in der Schweiz eine Menge aushalten. Morgens Glatteis, mittags Schneematsch, abends ein warmes Restaurant. Dazwischen Salz, Splitt und Treppen. Hier ist, worauf es ankommt, wenn du Schuhe willst, die gut aussehen und in denen du trotzdem gehen kannst.

Die Sohle entscheidet fast alles

Wenn du nur auf eine Sache achtest, dann auf die Sohle. Das Obermaterial sieht man, die Sohle spürt man.

  • Profil: Eine Sohle mit tiefen, unregelmässigen Rillen greift auf Schnee und Matsch deutlich besser als eine glatte Fläche. Dreh den Schuh im Laden um und schau ihn dir an.
  • Material: Gummi bleibt bei Kälte meist flexibler als harter Kunststoff. Eine Sohle, die schon im Laden steif und glatt wirkt, wird bei Minustemperaturen nicht besser.
  • Dicke: Eine etwas dickere Sohle isoliert vom kalten Boden. Dünne Ballerinasohlen leiten die Kälte direkt an die Füsse.
  • Biegsamkeit: Der Schuh sollte sich im Vorfussbereich leicht biegen lassen. Ganz starre Sohlen machen das Gehen anstrengend, ganz weiche geben auf unebenem Untergrund kaum Halt.

Bei Lederschuhen mit Ledersohle, die du liebst und nicht aufgeben willst, lohnt sich der Gang zum Schuhmacher. Eine dünne Gummisohle oder Gummiflecken auf Ballen und Absatz verändern das Gangbild kaum, machen aber einen grossen Unterschied auf nassem Pflaster.

Absätze: ja, aber mit Verstand

Niemand muss im Winter auf Absätze verzichten. Aber nicht jeder Absatz taugt für jedes Wetter.

  • Breite Blockabsätze verteilen das Gewicht und geben auch auf Kopfsteinpflaster und Gitterrosten Stabilität.
  • Höhe moderat halten: Je höher der Absatz, desto mehr Gewicht liegt auf dem Vorfuss und desto kleiner wird die Kontaktfläche. Bei Glätte ist das spürbar.
  • Stilettos und Kitten Heels gehören an Wintertagen eher in die Tasche als an die Füsse. Viele Frauen machen es genau so: Stiefel für den Weg, die feinen Schuhe fürs Büro.
  • Plateau mit Profil kann eine gute Lösung sein, wenn du Höhe willst und trotzdem eine flache Lauffläche.

Achte beim Absatz auch auf die Spitze, also den Absatzfleck. Ist er aus hartem Kunststoff, rutscht er auf Stein. Ein Gummifleck kostet beim Schuhmacher nicht viel.

Salz, Splitt und Tram: was Schuhe im Alltag erleben

Schweizer Winterstrassen sind eine Herausforderung für jedes Material. Streusalz zieht Feuchtigkeit aus dem Leder und hinterlässt die bekannten weissen Ränder. Splitt scheuert an Sohlen und Spitzen. Und in der Tram stehst du mit nassen Füssen zwanzig Minuten auf einem geheizten Boden.

Was das für deine Wahl bedeutet:

  • Glattleder ist pflegeleicht und lässt sich gut imprägnieren. Salzränder bekommst du meist wieder weg.
  • Rauleder und Wildleder sehen wunderschön aus, sind aber empfindlicher. Mit gründlicher Imprägnierung und etwas Pflege gehen sie trotzdem, nur nicht unbedingt bei Schneematsch.
  • Gefütterte Stiefel sind bequem, können in geheizten Räumen aber schnell zu warm werden. Wer viel drinnen ist, fährt mit einem ungefütterten Stiefel und einer warmen Wollsocke oft besser.
  • Schaftlänge: Ein Stiefel, der über den Knöchel reicht, schützt vor Spritzwasser und Schneeresten am Trottoirrand.

Anprobe: am Nachmittag und mit den richtigen Socken

Füsse sind im Laufe des Tages nicht gleich gross. Nach ein paar Stunden Gehen und Stehen schwellen sie leicht an. Wer morgens Schuhe kauft, kauft sie deshalb manchmal einen Tick zu eng.

So probierst du Winterschuhe sinnvoll an:

  1. Am Nachmittag oder frühen Abend in den Laden gehen.
  2. Die Socken mitnehmen, die du im Winter wirklich trägst. Eine dicke Wollsocke braucht mehr Platz als ein Nylonstrumpf.
  3. Beide Schuhe anziehen. Die meisten Menschen haben einen etwas grösseren Fuss. Der entscheidet.
  4. Gehen, nicht nur stehen. Mindestens ein paar Runden durch den Laden, wenn möglich auch eine Treppe hinauf und hinunter.
  5. Auf die Ferse achten: Sie sollte beim Gehen nicht rutschen. Rutscht sie, gibt es Blasen.
  6. Zehenspielraum prüfen: Vorne sollten deine Zehen etwas Platz haben, damit sie sich beim Abrollen bewegen können.

Und ein ehrlicher Satz zum Einlaufen: Leder gibt etwas nach, das stimmt. Aber ein Schuh, der im Laden drückt, wird selten ein Lieblingsschuh. Wenn du dir sagen musst «das wird schon», ist es meistens der falsche.

Pflege gegen Salzränder

Gute Winterschuhe halten länger, wenn du ihnen nach einem nassen Tag fünf Minuten schenkst.

  • Sofort nach dem Heimkommen: Mit einem feuchten Tuch Salz und Schmutz abwischen, bevor alles eintrocknet.
  • Salzränder entfernen: Viele schwören auf eine Mischung aus Wasser und einem Schuss Essig, mit einem weichen Tuch aufgetragen. Vorher an einer unauffälligen Stelle testen.
  • Langsam trocknen: Zeitungspapier oder ein Schuhspanner aus Holz hinein, und dann bei Zimmertemperatur trocknen lassen. Nicht auf die Heizung, sonst wird das Leder hart und rissig.
  • Pflegen: Glattleder nach dem Trocknen mit Schuhcreme nähren, Rauleder mit einer Bürste aufrauen.
  • Imprägnieren: Vor dem ersten Tragen und danach regelmässig, vor allem bei Rauleder.
  • Abwechseln: Wenn du zwei Paar Winterschuhe im Wechsel trägst, hat jedes Paar einen Tag zum Trocknen. Das verlängert die Lebensdauer spürbar.

Checkliste für den nächsten Schuhkauf

Wenn du im Laden stehst, nimm dir diese Liste vor:

  • Hat die Sohle ein Profil, das ich mit dem Finger spüre?
  • Ist der Absatz breit genug, um auf Pflaster stabil zu stehen?
  • Passt der Schuh auch mit meinen dicken Socken?
  • Rutscht die Ferse beim Gehen?
  • Kann ich in diesem Schuh eine Treppe hinunterrennen?
  • Ist das Material für Salz und Nässe geeignet, oder brauche ich es nur für trockene Tage?
  • Passt er zu mindestens drei Outfits, die ich jetzt schon besitze?
  • Würde ich ihn reparieren lassen, wenn die Sohle abgelaufen ist?

Wenn du bei der letzten Frage zögerst, ist das ein Hinweis. Ein Schuh, den du neu besohlen lassen würdest, ist ein Schuh, den du wirklich magst.

Fazit

Ein Winterschuh ist kein Ort für Kompromisse beim Gehen. Er muss nicht klobig sein, und er muss auch nicht nach Wanderausrüstung aussehen. Aber er muss dich sicher durch einen Januarmorgen bringen, mit Glatteis vor der Haustür und Salzmatsch an der Haltestelle. Wer bei der Sohle genau hinschaut, am Nachmittag anprobiert und den Schuhen nach nassen Tagen ein wenig Pflege gönnt, hat Freude an ihnen, oft viele Winter lang. Und die schönen, unpraktischen Schuhe? Die dürfen bleiben. In der Tasche, für drinnen.