EES und ETIAS: Was sich an Europas Grenzen ändert – und was nicht
Neues Ein- und Ausreisesystem, bald ETIAS: Was Schweizerinnen wissen müssen und warum deine Reisebegleitung vielleicht mehr Zeit braucht.
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Du stehst am Flughafen Zürich in der Schlange zur Passkontrolle, deine Freundin aus Kanada neben dir. Du hältst deine Schweizer ID hin und bist in Sekunden durch. Sie hingegen wird zu einem Terminal geschickt, legt die Finger auf einen Scanner und schaut in eine Kamera. «Was ist das?», fragt sie. Die Antwort: das EES, das neue digitale Ein- und Ausreisesystem des Schengen-Raums.
Seit Herbst 2025 wird es schrittweise eingeführt, und Ende 2026 soll mit ETIAS ein weiterer Baustein folgen. In den Medien klingt das oft dramatisch. Für dich als Schweizerin ist es vor allem eine Frage des Wissens: Was gilt für mich, was für meine Mitreisenden, und wo kann es knapp werden?
Wichtig vorab: Einreiseregeln ändern sich. Was hier steht, ist der Stand im Herbst 2026. Prüf vor jeder Reise die aktuellen Informationen des Staatssekretariats für Migration (SEM), des EDA und der offiziellen EU-Seiten.
Was ist das EES?
Das Entry/Exit System ersetzt den Stempel im Pass. Statt eines Tintenabdrucks werden Name, Reisedokument, Gesichtsbild und Fingerabdrücke digital erfasst, dazu Datum und Ort der Ein- und Ausreise. So soll automatisch berechnet werden, ob jemand die erlaubte Aufenthaltsdauer überschreitet – in der Regel 90 Tage innerhalb von 180 Tagen.
Gestartet ist das EES am 12. Oktober 2025. Die Einführung erfolgte gestaffelt über mehrere Monate; bis April 2026 sollte das System an allen Schengen-Aussengrenzen vollständig in Betrieb sein. In der Schweiz betrifft das vor allem die Flughäfen, denn die Landesgrenzen zu den Nachbarländern sind Schengen-Binnengrenzen.
Betrifft mich das als Schweizerin?
Kurz: nein. Das EES erfasst Drittstaatsangehörige, also Menschen ohne Pass eines EU- oder Schengen-Staates, die für einen Kurzaufenthalt einreisen. Schweizer Staatsangehörige gehören nicht dazu. Du reist weiterhin mit Pass oder ID in die EU und zurück.
Spannend wird es, wenn du mit jemandem reist, der nicht diese Freiheit hat:
- deine Partnerin mit britischem Pass
- die Schwiegermutter aus den USA, die zu Besuch kommt
- eine Freundin mit Wohnsitz in der Schweiz, aber einer anderen Staatsangehörigkeit – hier hängt es vom Aufenthaltstitel ab
Für Menschen mit einer Schweizer Aufenthaltsbewilligung gelten in der Regel andere Regeln als für Touristinnen. Im Zweifel: beim SEM nachfragen, statt in Foren zu raten.
Was ändert sich in der Praxis?
Bei der ersten Einreise nach dem EES-Start werden die biometrischen Daten erfasst. Das kann an Selbstbedienungsterminals oder bei der Grenzbeamtin passieren und dauert einige Minuten. Bei späteren Reisen geht es schneller, weil die Daten nur noch abgeglichen werden.
Für dich heisst das, wenn du mit Drittstaatsangehörigen unterwegs bist:
- Mehr Zeit einrechnen. Gerade in den Ferienspitzen kann die Kontrolle an Flughäfen länger dauern. Lieber eine halbe Stunde früher da sein.
- Getrennte Schlangen akzeptieren. Ihr werdet womöglich unterschiedliche Kontrollspuren benutzen. Vereinbart einen Treffpunkt nach der Kontrolle.
- Bei Fähren und Grenzübergängen auf dem Landweg ausserhalb des Schengen-Raums, etwa auf dem Weg nach Grossbritannien, kann es ebenfalls zu Wartezeiten kommen.
Und was ist ETIAS?
ETIAS ist eine elektronische Reisegenehmigung, die Menschen aus visumfreien Drittstaaten künftig vor der Einreise in den Schengen-Raum online beantragen müssen – ähnlich dem ESTA für die USA. Betroffen sind zum Beispiel Reisende aus den USA, Kanada, Australien oder Grossbritannien.
Der Start wurde mehrfach verschoben. Aktuell ist er für das letzte Quartal 2026 angekündigt, gefolgt von einer Übergangsphase, in der die Genehmigung noch nicht zwingend ist. Das konkrete Datum solltest du nur aus offiziellen Quellen übernehmen. Achtung vor Websites, die sich als offizielle Antragsstelle ausgeben und überhöhte Gebühren verlangen.
Für Schweizer Staatsangehörige gilt auch hier: Du brauchst kein ETIAS für Reisen in die EU.
Umgekehrt: Wo du selbst eine Genehmigung brauchst
Während sich in Europa die Regeln für andere ändern, brauchst du für manche Länder selbst eine digitale Einreiseerlaubnis. Zwei Beispiele, die oft vergessen gehen:
- Grossbritannien: Seit 2025 benötigen auch Schweizerinnen für touristische Reisen eine elektronische Reisegenehmigung, die ETA. Sie wird online oder per App beantragt.
- USA: Für visumfreie Reisen brauchst du ein ESTA, und zwar vor dem Abflug.
Beantrage solche Genehmigungen nur über die offiziellen Regierungsseiten. Drittanbieter sind legal, aber teurer – und manchmal unseriös.
Checkliste vor der nächsten Reise
- Reisepass oder ID gültig? Für viele Länder muss der Pass über das Reiseende hinaus gültig sein.
- Reisen Drittstaatsangehörige mit? Dann früher am Flughafen sein und Treffpunkt nach der Kontrolle abmachen.
- Ziel ausserhalb von EU und Schengen? Einreisebestimmungen beim EDA prüfen, Stichwort Reisehinweise.
- Digitale Genehmigung nötig? Nur auf offiziellen Seiten beantragen.
- Bei Zugreisen ins Ausland: ID mitnehmen, auch wenn selten kontrolliert wird.
Häufige Missverständnisse
Rund um EES und ETIAS kursieren viele Halbwahrheiten. Ein paar davon tauchen besonders oft auf:
«Ich brauche jetzt einen Pass statt der ID.» Nein. Für Reisen in EU- und Schengen-Staaten reicht für Schweizerinnen weiterhin eine gültige Identitätskarte. Für viele Länder ausserhalb Europas brauchst du hingegen einen Pass, das war aber schon vorher so.
«Meine Fingerabdrücke werden jetzt bei jeder Reise gespeichert.» Das betrifft nur Drittstaatsangehörige im Rahmen des EES. Schweizer Staatsangehörige werden nicht erfasst.
«ETIAS ist ein Visum.» Nicht ganz. Es ist eine Reisegenehmigung, die vor der Abreise online beantragt wird. Sie ist günstiger und einfacher als ein Visum, aber ohne sie wird man nach Ende der Übergangsfrist nicht einreisen können.
«Bei Zugreisen ändert sich nichts.» Innerhalb des Schengen-Raums stimmt das weitgehend. Wer aber mit dem Zug durch den Ärmelkanaltunnel nach London fährt, überquert eine Schengen-Aussengrenze. Dort können für Drittstaatsangehörige ebenfalls Kontrollen und Wartezeiten anfallen.
Was du für Besuch aus dem Ausland tun kannst
Wenn Freundinnen oder Familie aus Ländern ausserhalb Europas zu dir in die Schweiz kommen, kannst du ihnen helfen, entspannt anzureisen:
- Schick ihnen den Link zu den offiziellen Informationen des SEM und der EU, statt Gerüchte weiterzugeben.
- Weise darauf hin, dass sie bei der ersten Einreise mehr Zeit an der Grenze brauchen könnten.
- Erinnere sie daran, dass die 90-Tage-Regel für den gesamten Schengen-Raum gilt, nicht pro Land. Wer vorher drei Wochen in Italien war, hat in der Schweiz nicht nochmals 90 Tage.
- Plant den Abholtermin am Flughafen mit einem Puffer und vereinbart einen Treffpunkt in der Ankunftshalle.
Fazit
Das EES und bald auch ETIAS verändern das Reisen in Europa – aber vor allem für Menschen ohne europäischen Pass. Als Schweizerin merkst du davon meist nur, dass deine Begleitung länger braucht. Wer das weiss, plant entspannter: mehr Puffer am Flughafen, offizielle Quellen statt Gerüchte und ein vereinbarter Treffpunkt hinter der Kontrolle. Und für Ziele wie Grossbritannien oder die USA gilt: die eigene Genehmigung nicht vergessen.