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Reisen

Lyon: Ein Wochenende für Feinschmeckerinnen

Traboules, Markthallen und zwei Flüsse – Lyon ist ab Genf schnell erreicht und eines der schönsten Städteziele für ein langes Wochenende.

Samira Rossi 16. April 2026 5 Min.

Samstagmorgen, kurz nach acht. Am Quai der Saône bauen die Marktfahrer ihre Stände auf: Ziegenkäse in allen Reifestadien, Berge von Radieschen, Körbe mit Erdbeeren aus dem Rhonetal. Eine ältere Dame diskutiert mit dem Fischhändler über die Frische seiner Forellen. Du kaufst ein Stück Brot, eine Handvoll Kirschen und setzt dich auf eine Bank am Wasser. Hinter dir die pastellfarbenen Fassaden der Altstadt, über dir auf dem Hügel die weisse Basilika.

Lyon wird oft als Paris' kleine Schwester abgetan. Dabei ist die Stadt eigenständig, entspannter und für ein langes Wochenende fast perfekt dimensioniert. Und sie ist für Schweizerinnen leicht erreichbar.

Anreise ab der Schweiz

Die schnellste Verbindung führt über Genf. Von dort fahren regelmässig Züge nach Lyon, die Fahrt dauert rund zwei Stunden. Ab Zürich oder Bern rechnest du insgesamt mit vier bis fünf Stunden. Je nach Fahrplanperiode gibt es auch Verbindungen ab Basel über Mulhouse. Wegen Baustellen auf der französischen Seite lohnt sich ein Blick in den aktuellen Fahrplan, bevor du buchst.

Lyon hat zwei grosse Bahnhöfe: Part-Dieu im modernen Geschäftsviertel und Perrache am Rand der Halbinsel. Achte darauf, an welchem du ankommst – das entscheidet, wo du dein Zimmer am besten suchst.

Die Stadt in drei Teilen

Vieux Lyon. Die Altstadt am Fuss des Fourvière-Hügels gehört zum UNESCO-Welterbe. Hier findest du Renaissancehäuser, enge Gassen und die berühmten Traboules: Durchgänge durch Innenhöfe und Treppenhäuser, die früher den Seidenwebern dienten, um ihre Stoffe trocken von Haus zu Haus zu tragen. Einige sind öffentlich zugänglich. Sei leise, denn in den Häusern wohnen Menschen.

Presqu'île. Die Halbinsel zwischen Rhone und Saône ist das Zentrum mit Plätzen, Geschäften, Theatern und Museen. Die Place Bellecour ist einer der grössten Plätze Europas, die Rue de la République die Einkaufsstrasse.

Croix-Rousse. Das ehemalige Weberviertel auf dem Hügel im Norden hat dörflichen Charme, Märkte, kleine Läden und steile Treppen. Am Sonntagmorgen ist der Markt am Boulevard ein Treffpunkt für das ganze Quartier.

Essen wie in Lyon

Lyon gilt als Hauptstadt der französischen Gastronomie, und das zu Recht. Was du probieren solltest:

  • Bouchons. Traditionelle Lyoner Gaststuben mit karierten Tischtüchern und deftiger Küche. Typisch sind Quenelles, Saucisson brioché oder Salade lyonnaise. Achte auf das Label «Bouchon Lyonnais», das für traditionelle Häuser vergeben wird.
  • Les Halles de Lyon Paul Bocuse. Die überdachte Markthalle ist ein Paradies für Feinschmeckerinnen: Käse, Charcuterie, Austern, Patisserie. Am Wochenende kannst du an den Ständen auch essen.
  • Praline-Kuchen. Die rosafarbenen Pralinen sind eine Lyoner Spezialität und stecken in Brioches und Tartes.
  • Wein. Beaujolais im Norden, Côtes du Rhône im Süden – Lyon liegt zwischen zwei grossen Weinregionen.

Allein essen funktioniert in Lyon gut: In den Bouchons sitzt man eng, oft an langen Tischen, und kommt leicht ins Gespräch.

Kultur und Aussichten

  • Basilique Notre-Dame de Fourvière. Mit der Standseilbahn oder zu Fuss erreichbar, mit einem der besten Blicke über die Stadt.
  • Römische Theater. Gleich unterhalb der Basilika liegen antike Theater aus der Zeit, als Lyon unter dem Namen Lugdunum eine wichtige römische Stadt war.
  • Musée des Confluences. Ein spektakuläres Gebäude an der Spitze der Halbinsel, wo Rhone und Saône zusammenfliessen. Wissenschaft und Anthropologie in einem Haus.
  • Murals. Die Stadt ist bekannt für ihre grossen Wandmalereien, die ganze Fassaden bedecken. Die Mur des Canuts in der Croix-Rousse ist eine der bekanntesten.

Ein Wochenendplan

Freitag: Ankunft, Spaziergang an der Saône, Abendessen in einem Bouchon.

Samstag: Markt am Quai, Traboules in Vieux Lyon, Aufstieg zur Fourvière, Nachmittag auf der Presqu'île, Abend in Croix-Rousse.

Sonntag: Markt in Croix-Rousse, Spaziergang durch den Parc de la Tête d'Or, ein grosser Stadtpark mit See und Gewächshäusern, Rückreise am Nachmittag.

Wann reisen?

Frühling und Herbst sind ideal. Im Sommer kann es heiss werden. Anfang Dezember findet die Fête des Lumières statt, ein Lichterfest, bei dem die Stadt mit Installationen erleuchtet wird. Stimmungsvoll, aber sehr voll und Unterkünfte sind früh ausgebucht. Wer Ruhe sucht, wählt ein anderes Wochenende.

Wo du übernachten solltest

Die Wahl des Quartiers prägt dein Wochenende.

  • Presqu'île: Zentral, mit kurzen Wegen zu allem. Ideal für einen ersten Besuch und für Alleinreisende, weil abends viel los ist.
  • Vieux Lyon: Romantisch und historisch, aber in den Gassen auch touristisch und abends teils laut. Wer früh schlafen will, achtet auf ein Zimmer zum Innenhof.
  • Croix-Rousse: Ruhiger, dörflicher, mit Blick über die Stadt. Dafür musst du jeden Tag die Hügel hinauf und hinunter – oder die Metro nehmen.
  • In Bahnhofsnähe Part-Dieu: Praktisch, aber wenig charmant. Eher für eine kurze Nacht.

Lyon hat ein gut ausgebautes Netz aus Metro, Tram und Standseilbahnen. Für ein Wochenende kannst du dir eine Tageskarte für den öffentlichen Verkehr kaufen, aber vieles erreichst du ohnehin zu Fuss.

Lyon für Kulturfans

Neben den grossen Sehenswürdigkeiten hat Lyon eine reiche Kulturszene. Das Musée des Beaux-Arts in einer ehemaligen Abtei zeigt Kunst von der Antike bis zur Moderne, und sein Innenhof ist eine ruhige Oase mitten in der Stadt. Das Institut Lumière erinnert an die Brüder Lumière, die in Lyon das Kino erfanden – und im ehemaligen Fabrikgelände zeigt es bis heute Filme.

Wer im Herbst kommt, findet in den Theatern, Opern und Konzerthäusern ein volles Programm. Und im September findet in geraden Jahren die Biennale de la Danse statt, in ungeraden die Biennale d'art contemporain. Die Daten vorher prüfen.

Fazit

Lyon ist ein Wochenendziel für alle, die gerne essen, zu Fuss gehen und Geschichte entdecken. Die Stadt ist überschaubar, gut mit dem Zug erreichbar und weniger hektisch als Paris. Plan dein Wochenende um die Märkte herum, nimm dir Zeit für einen langen Mittag in einem Bouchon und lass dich durch die Traboules treiben. Du wirst mit vollem Bauch und dem Wunsch zurückkommen, bald wiederzukehren.