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Reisen

Mit Freundinnen oder allein? Eine ehrliche Abwägung

Gemeinsam lachen oder ganz bei sich sein – beide Reiseformen haben ihren Reiz. Was für dich passt und wie Gruppenreisen ohne Streit gelingen.

Samira Rossi 25. Juni 2026 5 Min.

Es gibt diese Reisen, an die du dich erinnerst, weil ihr so gelacht habt, dass der Kellner sich dazugesetzt hat. Und es gibt diese anderen Reisen, an die du dich erinnerst, weil du allein auf einem Felsen sassest und zum ersten Mal seit Monaten deine eigenen Gedanken gehört hast.

Beides ist wertvoll. Und beides kann schiefgehen. Mit Freundinnen kann aus einer Woche Sonne ein Stellungskrieg um Weckzeiten und Restaurantwahl werden. Allein kann aus einer Woche Freiheit eine Woche Einsamkeit werden. Die Frage ist also nicht, was besser ist, sondern was gerade zu dir passt – und wie du es gut machst.

Was für das gemeinsame Reisen spricht

  • Geteilte Erinnerungen. Ein Witz, den nur ihr versteht, ein Abend, über den ihr noch in zehn Jahren redet.
  • Geteilte Kosten. Ferienwohnungen, Mietautos und Taxis werden günstiger, wenn mehrere zahlen.
  • Sicherheit und Komfort. Abends gemeinsam heimgehen, jemand hütet die Tasche, während du schwimmst.
  • Mut. Zu zweit traut man sich eher an eine Tanzbar, einen Kochkurs oder einen Sprung ins kalte Wasser.

Was für das Alleinreisen spricht

  • Totale Freiheit. Du stehst auf, wann du willst, isst, wann du Hunger hast, und gehst ins Museum, auch wenn es niemanden sonst interessiert.
  • Begegnungen. Allein bist du offener, und andere sprechen dich eher an.
  • Selbstvertrauen. Wer allein durch eine fremde Stadt navigiert, merkt, wie viel sie kann.
  • Ruhe. Keine Abstimmung, keine Kompromisse, keine Gespräche, wenn du keine willst.

Bevor ihr bucht: Das Gespräch, das alle vergessen

Die meisten Konflikte auf Gruppenreisen entstehen, weil Erwartungen nicht ausgesprochen wurden. Setzt euch vor der Buchung zusammen und klärt ein paar Dinge:

  1. Budget. Wer will im Hostel schlafen, wer lieber im Hotel? Wie viel darf ein Abendessen kosten? Geld ist der häufigste Streitgrund.
  2. Rhythmus. Frühaufsteherin oder Nachteule? Viel Programm oder viel Strand?
  3. Prioritäten. Was will jede unbedingt sehen oder machen? Was ist ihr egal?
  4. Alleinzeit. Ist es okay, wenn jemand einen halben Tag allein loszieht? Die Antwort sollte Ja sein.
  5. Ausgaben. Wie teilt ihr Gemeinsames? Eine Kasse, eine App oder abwechselnd zahlen?

Es mag unromantisch klingen, aber dieses Gespräch rettet Freundschaften.

Unterwegs: Regeln für eine harmonische Reise

  • Nicht alles gemeinsam machen. Plant bewusst Zeit getrennt ein. Am Abend habt ihr euch umso mehr zu erzählen.
  • Abwechselnd entscheiden. Jede darf einmal am Tag das Restaurant oder die Aktivität bestimmen.
  • Ein Zimmer mehr. Wenn das Budget es erlaubt, kann ein zusätzliches Zimmer Wunder wirken, vor allem bei längeren Reisen.
  • Hunger und Müdigkeit ernst nehmen. Viele Konflikte sind eigentlich ein niedriger Blutzucker. Ein Snack in der Tasche hilft.
  • Ansprechen statt schlucken. Wenn dich etwas stört, sag es früh, ruhig und unter vier Augen.

Die Mischform: Gemeinsam anreisen, getrennt erleben

Eine Variante, die viele Frauen lieben: Ihr reist gemeinsam an, teilt die Unterkunft, verbringt aber die Tage teilweise getrennt. Morgens trennt ihr euch, abends trefft ihr euch zum Essen und erzählt. Du hast die Freiheit einer Solo-Reise und die Geselligkeit einer Gruppenreise.

Eine andere Möglichkeit: Allein reisen, aber unterwegs Anschluss suchen. Stadtführungen, Kochkurse, Gruppenwanderungen oder Hostels mit Gemeinschaftsräumen machen es einfach, für ein paar Stunden Gesellschaft zu finden.

Woher du weisst, was du gerade brauchst

Frag dich vor der nächsten Reise:

  • Bin ich gerade erschöpft von Menschen oder sehne ich mich nach Gesellschaft?
  • Will ich etwas Neues über mich lernen oder will ich einfach eine gute Zeit haben?
  • Gibt es eine Freundin, mit der ich wirklich gut reisen kann – oder nur gut essen?

Nicht jede gute Freundin ist eine gute Reisebegleiterin. Das ist kein Urteil über die Freundschaft, nur eine Frage der Kompatibilität. Und es ist völlig in Ordnung, mit einer Freundin lieber Wochenenden als zwei Wochen zu verbringen.

Wenn es trotzdem kracht

Auch mit der besten Vorbereitung kann es unterwegs knirschen. Ein paar Strategien, damit ein Streit nicht die ganze Reise überschattet:

  1. Kurz durchatmen. Viele Konflikte entstehen aus Müdigkeit und Hunger. Bevor ihr diskutiert, esst etwas und trinkt ein Glas Wasser.
  2. Eine Pause einlegen. Geht für ein paar Stunden getrennt los. Oft sieht die Welt am Abend anders aus.
  3. Ich-Botschaften. «Ich bin erschöpft und brauche heute einen ruhigen Abend» kommt besser an als «Du willst immer feiern».
  4. Nicht nachtragen. Was auf der Reise geklärt wurde, sollte auch dort bleiben.

Und manchmal gilt: Eine Freundin, mit der du eine schwierige Reise überstanden hast, ist danach eine noch engere Freundin.

Reisen zu dritt, zu viert, zu fünft

Je grösser die Gruppe, desto komplexer wird es. Zu dritt entsteht schnell eine Zweier-Dynamik, bei der sich eine Person ausgeschlossen fühlt. Bei vier oder mehr Personen lohnt es sich, Rollen zu verteilen: Eine kümmert sich um die Unterkunft, eine um die Restaurants, eine um die Anreise.

Für grössere Gruppen funktionieren Ferienhäuser mit Gemeinschaftsräumen besonders gut. Jede hat ihren Rückzugsort, und trotzdem kocht und isst man zusammen. Gemeinsame Abende am grossen Tisch werden so zum Herz der Reise, und die Tage dürfen alle gestalten, wie sie wollen.

Ein Ritual für unterwegs

Viele Freundinnengruppen entwickeln mit der Zeit ihre eigenen Reiserituale: ein Foto am immer gleichen Platz, ein Abend, an dem jede reihum ein Restaurant aussucht, oder eine Runde am letzten Abend, in der jede ihren schönsten Moment erzählt. Solche Rituale geben der Reise eine Form und machen sie unverwechselbar.

Fazit

Mit Freundinnen zu reisen schenkt dir gemeinsame Geschichten, allein zu reisen schenkt dir dich selbst. Beides hat seinen Platz, und viele Frauen wechseln je nach Lebensphase. Wenn ihr gemeinsam fahrt, redet vorher über Geld, Rhythmus und Alleinzeit. Wenn du allein fährst, gönn dir die Freiheit, ohne schlechtes Gewissen. Und wenn du dich nicht entscheiden kannst: Reist gemeinsam hin und geht dann getrennte Wege bis zum Abendessen.