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Reisen

Sicher allein reisen: Was wirklich hilft

Keine Angstmacherei, sondern konkrete Gewohnheiten – von der Unterkunftswahl bis zur Frage, was du tust, wenn etwas schiefgeht.

Samira Rossi 26. März 2026 5 Min.

«Allein? Und das ist nicht gefährlich?» Diese Frage hört fast jede Frau, die von einer Solo-Reise erzählt. Meist kommt sie von Menschen, die es gut meinen. Und manchmal stellt man sie sich selbst, am Abend vor der Abreise, wenn der Rucksack gepackt ist und der Kopf plötzlich Szenarien durchspielt.

Die ehrliche Antwort: Allein zu reisen ist nicht grundsätzlich gefährlicher als zu Hause zu sein. Aber du bist in einer fremden Umgebung, kennst die Codes nicht und hast niemanden, der dir den Rücken freihält. Deshalb lohnt es sich, ein paar Gewohnheiten zu entwickeln. Nicht aus Angst, sondern damit du entspannt bleiben kannst.

Vor der Reise: Die Basis schaffen

Gute Sicherheit beginnt zu Hause, mit etwas Recherche und ein paar Vorkehrungen.

  • Reisehinweise lesen. Das EDA veröffentlicht Reisehinweise für fast alle Länder. Dort findest du Informationen zu Sicherheitslage, lokalen Gesetzen und Gesundheitsrisiken.
  • Travel Admin nutzen. Mit der App des EDA kannst du deine Reise erfassen. So kann dich die Schweiz im Krisenfall kontaktieren.
  • Dokumente sichern. Fotografiere Pass, ID, Versicherungskarte und Kreditkarten und speichere die Bilder an einem sicheren Ort, auf den du auch ohne dein Handy zugreifen kannst.
  • Versicherung prüfen. Deckt deine Krankenkasse Notfälle im Ausland ab? Brauchst du eine Reiseversicherung für Annullierung oder Rücktransport? Lieber vorher klären.
  • Notfallnummern speichern. In der EU und in der Schweiz gilt die 112. Speichere zusätzlich die Nummer der Schweizer Vertretung im Zielland und die Notrufnummer deiner Versicherung.

Die richtige Unterkunft

Die Unterkunft ist dein sicherer Hafen. Bei der Wahl lohnt es sich, genau hinzuschauen.

  1. Lage vor Preis. Lieber ein kleineres Zimmer in einem belebten, gut erreichbaren Quartier als ein grosses am Stadtrand.
  2. Bewertungen lesen – speziell die von anderen Alleinreisenden. Viele Plattformen erlauben es, nach Reisetyp zu filtern.
  3. Rezeption oder Ansprechperson. Eine 24-Stunden-Rezeption oder eine erreichbare Gastgeberin gibt Sicherheit, besonders bei später Ankunft.
  4. Frauenzimmer in Hostels. Wenn du gern in Hostels übernachtest, buche einen Schlafsaal nur für Frauen.
  5. Zimmernummer diskret halten. Wenn sie an der Rezeption laut ausgesprochen wird, kannst du freundlich um ein neues Zimmer bitten.

Unterwegs: Kleine Gewohnheiten, grosse Wirkung

Die meisten Probleme auf Reisen sind keine Gewaltverbrechen, sondern Taschendiebstahl, Betrug oder unangenehme Situationen. Dagegen helfen vor allem Routinen.

  • Teile deinen Standort. Mit einer vertrauten Person, für einen bestimmten Zeitraum. Ein kurzes «Bin im Zimmer» am Abend beruhigt beide Seiten.
  • Bewege dich, als wüsstest du, wohin. Schau die Route vor dem Losgehen an, statt mitten auf der Strasse mit dem Handy zu suchen.
  • Trenne Geld und Karten. Eine Karte im Portemonnaie, eine im Zimmer, etwas Bargeld in einer Innentasche.
  • Achte auf dein Getränk. Lass es nicht unbeaufsichtigt, und nimm keine Drinks von Fremden an, die du nicht hast zubereiten sehen.
  • Komm bei Tageslicht an. Gerade in unbekannten Städten ist die erste Orientierung im Hellen einfacher.
  • Halte das Handy geladen. Eine Powerbank gehört in jede Tagestasche.

Grenzen setzen, ohne unhöflich zu sein

Viele Frauen sind dazu erzogen worden, freundlich zu bleiben, auch wenn ihnen jemand zu nahe kommt. Auf Reisen darfst du das ablegen.

  • Du musst niemandem sagen, dass du allein bist. «Meine Freundin wartet im Hotel» ist eine legitime Antwort.
  • Du musst nicht erklären, warum du nicht mitkommen willst. Ein klares «Nein, danke» reicht.
  • Du darfst Gespräche abbrechen, den Tisch wechseln, die Strassenseite wechseln.
  • Wenn dich jemand bedrängt, such die Nähe anderer Menschen, idealerweise anderer Frauen oder von Personal in Läden, Hotels oder Restaurants.

Dein Bauchgefühl ist kein Vorurteil, sondern ein Frühwarnsystem. Hör darauf.

Typische Tricks kennen

In touristischen Städten gibt es wiederkehrende Maschen. Wer sie kennt, fällt seltener darauf herein:

  • Jemand bindet dir ungefragt ein Freundschaftsband um und will dann Geld.
  • Eine Petition oder Umfrage lenkt dich ab, während eine zweite Person in deine Tasche greift.
  • Ein Taxifahrer behauptet, das Taxameter sei kaputt.
  • Jemand bietet dir Hilfe am Billettautomaten an und verlangt danach eine Gebühr.

Die Regel: Wenn dir jemand ungefragt etwas anbietet, sei skeptisch und geh weiter.

Wenn doch etwas passiert

Trotz aller Vorsicht kann etwas schiefgehen. Dann hilft ein klarer Kopf:

  1. Bring dich in Sicherheit. Geh an einen belebten Ort, in ein Geschäft, ein Hotel, eine Apotheke.
  2. Ruf Hilfe. Polizei oder Notruf über die 112.
  3. Karten sperren. Halte die Sperrnummern deiner Bank bereit.
  4. Kontakt zur Schweizer Vertretung. Bei verlorenem Pass oder ernsthaften Problemen hilft die Botschaft oder das Konsulat. Ausserdem gibt es die Helpline des EDA, die rund um die Uhr erreichbar ist.
  5. Anzeige erstatten. Für Versicherungen brauchst du meist ein Polizeiprotokoll.

Nachts unterwegs

Viele Frauen fühlen sich vor allem abends unsicher. Das heisst nicht, dass du nach Sonnenuntergang im Hotel bleiben musst. Ein paar Gewohnheiten helfen:

  • Plane den Heimweg, bevor du losgehst. Wie kommst du zurück? Fährt noch ein Bus? Gibt es einen Taxistand?
  • Offizielle Taxis oder bekannte Fahrdienste. Prüfe beim Einsteigen Kennzeichen und Fahrerin oder Fahrer, wenn du über eine App bestellt hast, und teile die Fahrt mit einer Vertrauensperson.
  • Belebte Strassen wählen. Ein Umweg über eine beleuchtete Strasse ist besser als eine dunkle Abkürzung.
  • Nicht zu viel trinken. Ein Glas Wein zum Essen ist wunderbar. Wer allein unterwegs ist, sollte aber wach genug bleiben, um gut zurückzukommen.

Sicherheit in der Unterkunft

Auch im Zimmer kannst du für ein gutes Gefühl sorgen. Prüfe beim Ankommen, ob Tür und Fenster richtig schliessen. Ein kleiner Türkeil aus Gummi wiegt fast nichts und gibt zusätzliche Sicherheit. Lass das Schild «Bitte nicht stören» hängen, wenn du ausser Haus bist, damit es aussieht, als wärst du da. Und Wertsachen, die du nicht brauchst, gehören in den Zimmersafe.

Fazit

Sicher allein zu reisen heisst nicht, ständig auf der Hut zu sein. Es heisst, sich gut vorzubereiten, ein paar Routinen zu pflegen und auf das eigene Gefühl zu hören. Die allermeisten Solo-Reisen verlaufen ohne Zwischenfälle – und mit vielen Begegnungen, die du in einer Gruppe nie gehabt hättest. Je öfter du allein unterwegs bist, desto selbstverständlicher wird es. Und desto weniger musst du dir die Frage stellen, ob du das wirklich kannst.