Turin im Winter: Arkaden, Bicerin und Bergblick
Elegant, unterschätzt und ideal bei Schmuddelwetter – warum Turin das perfekte Städteziel für ein Februarwochenende ist.
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Es regnet leicht, aber du merkst es kaum. In Turin kannst du kilometerweit unter Arkaden spazieren, trockenen Fusses, vorbei an Buchhandlungen, Konditoreien und Kaffeehäusern mit Spiegeln und Kronleuchtern. Am Ende der Via Po öffnet sich die grosse Piazza Vittorio Veneto, dahinter der Fluss und die Hügel. Und dann, wenn sich der Himmel lichtet, siehst du sie: die verschneiten Alpen, die die Stadt wie eine Kulisse umrahmen.
Turin war jahrzehntelang die Industriestadt Italiens, Heimat des Autobaus. Die meisten Touristinnen fahren daran vorbei, Richtung Mailand, Florenz oder Ligurien. Ein Fehler. Denn Turin ist elegant, kulturell reich und im Winter wunderbar unaufgeregt.
Anreise
Von der Schweiz aus führt der übliche Weg über Mailand. Ab Zürich bringen dich Eurocity-Züge durch den Gotthard nach Milano Centrale, von dort sind es mit Hochgeschwindigkeitszügen etwa eine Stunde bis Turin. Eine andere Variante führt über Genf und Frankreich. Insgesamt solltest du mit fünf bis sechs Stunden rechnen. Die genauen Verbindungen variieren je nach Fahrplan und Baustellen.
Turin hat zwei wichtige Bahnhöfe: Porta Nuova im Zentrum und Porta Susa etwas westlich. Beide sind gut an die Metro angebunden.
Die Stadt zu Fuss
Turin ist schachbrettartig angelegt, ein Erbe der Römer. Das macht die Orientierung einfach.
- Piazza Castello und Palazzo Reale. Das Machtzentrum der Savoyer, die einst über Piemont und später über Italien herrschten. Die Königspaläste gehören zum UNESCO-Welterbe.
- Via Po und Via Roma. Die grossen Arkadenstrassen. Ideal für Regentage.
- Mole Antonelliana. Das Wahrzeichen der Stadt, ursprünglich als Synagoge geplant. Heute beherbergt es das Nationale Filmmuseum, und ein Glaslift fährt hinauf auf die Aussichtsterrasse.
- Quadrilatero Romano. Das älteste Viertel mit engen Gassen, kleinen Bars und Restaurants.
- Parco del Valentino. Ein Park am Po mit einem Schloss und einem nachgebauten mittelalterlichen Dorf.
Museen für Regentage
Turin hat eine erstaunliche Dichte an Museen. Zwei, die du nicht verpassen solltest:
Museo Egizio. Eine der bedeutendsten Sammlungen ägyptischer Kunst ausserhalb Ägyptens. Plane mindestens einen halben Tag ein und reserviere vorab, da es auch im Winter gut besucht ist.
Museo Nazionale del Cinema. Im Inneren der Mole, mit einer spektakulären Inszenierung. Auch für Menschen, die keine Filmfans sind.
Dazu kommen Kunstsammlungen, ein Automobilmuseum und zeitgenössische Kunst. Wer mehrere Museen besuchen will, sollte sich nach einer Museumskarte erkundigen, die Eintritte und teils öffentlichen Verkehr bündelt – die Konditionen ändern sich, also vor Ort nachfragen.
Kaffee, Schokolade und Aperitivo
Turin ist eine Stadt der Genüsse, und vieles davon passt perfekt zum Winter.
- Bicerin. Ein Getränk aus Espresso, heisser Schokolade und Milchschaum, in einem kleinen Glas serviert, nicht umrühren. Eine Turiner Spezialität, die in historischen Cafés seit Generationen getrunken wird.
- Gianduja. Die Mischung aus Schokolade und Haselnüssen wurde in Turin erfunden. Die kleinen Gianduiotti, in Goldpapier gewickelt, sind das perfekte Mitbringsel.
- Aperitivo. Turin gilt als eine der Städte, in denen der Wermut zu Hause ist. Am frühen Abend wird in vielen Bars zum Getränk ein Buffet oder kleine Häppchen serviert.
- Piemontesische Küche. Vitello tonnato, Agnolotti, Bagna cauda im Winter und, wenn die Saison noch läuft, weisse Trüffel aus dem nahen Alba.
Ein Wochenende in Turin
Tag 1: Ankunft, Spaziergang durch die Via Roma zur Piazza Castello, Bicerin in einem historischen Café, Aperitivo im Quadrilatero.
Tag 2: Vormittag im Museo Egizio, Mittagessen in einer Trattoria, Nachmittag in der Mole mit Aussicht auf die Alpen, Abend am Po.
Tag 3: Markt an der Porta Palazzo, einem der grössten Freiluftmärkte Europas, Spaziergang im Parco del Valentino, Rückreise.
Alleine in Turin
Turin ist eine gute Stadt für Alleinreisende. Sie ist weniger touristisch als andere italienische Städte, die Menschen sind freundlich, und in den Kaffeehäusern ist es völlig normal, allein zu sitzen. Wie in jeder Grossstadt solltest du auf Taschendiebe achten, vor allem auf Märkten und in Bahnhofsnähe. Abends sind die zentralen Viertel belebt.
Ausflug in die Hügel
Wer einen zusätzlichen Tag hat, sollte Turin verlassen und in die Umgebung fahren. Die Hügel rund um die Stadt sind voller Überraschungen.
- Basilica di Superga: Hoch über der Stadt thront diese barocke Kirche. Eine historische Zahnradbahn fährt hinauf, oben gibt es einen der besten Blicke auf Turin und die Alpenkette.
- Langhe und Roero: Die Weinregion südlich von Turin gehört zum UNESCO-Welterbe. Hier wachsen die Trauben für Barolo und Barbaresco. Ohne Auto ist die Region schwieriger zu erreichen, aber mit Zug und Bus nach Alba kommst du ins Herz der Langhe.
- Sacra di San Michele: Eine mittelalterliche Abtei auf einem Felsen westlich von Turin, dramatisch gelegen und eine Inspiration für Umberto Ecos «Der Name der Rose».
Für Ausflüge ausserhalb der Stadt lohnt es sich, Fahrpläne vorab zu prüfen, da Regionalverbindungen am Wochenende eingeschränkt sein können.
Praktisches für Turin
- Unterwegs in der Stadt: Das Zentrum ist flach und gut zu Fuss erkundbar. Für längere Wege gibt es eine Metrolinie, Trams und Busse. Billette musst du vor dem Einsteigen kaufen und entwerten.
- Essenszeiten: Mittagessen gibt es meist zwischen halb eins und halb drei, Abendessen ab etwa halb acht. Wer früher Hunger hat, überbrückt mit einem Aperitivo.
- Sonntage: Viele Läden sind geschlossen, Museen und Cafés aber offen. Ideal für einen gemütlichen Kulturtag.
- Wetter: Im Winter ist es in Turin oft neblig und kühl, manchmal schneit es sogar. Warme Schuhe und ein Schal gehören in den Koffer.
Fazit
Turin ist eine Stadt für Menschen, die das Understatement schätzen. Sie hat keinen Schiefen Turm und kein Kolosseum, aber Arkaden, Paläste, Kaffeekultur und einen Blick auf die Alpen, der dich an zu Hause erinnert. Gerade im Winter, wenn andere Städte grau wirken, zeigt Turin ihren Glanz. Ein langes Wochenende reicht für einen ersten Eindruck – und du wirst wiederkommen wollen.